Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Projektseminar Kontroversen kartographieren I

Visualisierung: Von Konfliktkartierung als Analysewerkzeug zur öffentlichen Soziologie! Die Konfliktlandschaften gegenwärtiger Gesellschaften werden immer komplizierter und unübersichtlicher; ihre öffentliche Nachvollziehbarkeit wird somit immer schwieriger und umso wichtiger. Beispiele hierfür sind grenzüberschreitende Konflikte aufgrund zunehmender globaler Abhängigkeiten und Wechselwirkungen (in Bereichen...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Visualisierung: Von Konfliktkartierung als Analysewerkzeug zur öffentlichen Soziologie! Die Konfliktlandschaften gegenwärtiger Gesellschaften werden immer komplizierter und unübersichtlicher; ihre öffentliche Nachvollziehbarkeit wird somit immer schwieriger und umso wichtiger. Beispiele hierfür sind grenzüberschreitende Konflikte aufgrund zunehmender globaler Abhängigkeiten und Wechselwirkungen (in Bereichen wie Migration, Konsum, Finanzmärkte usw.), Risikokonflikte (Gentechnik, Nahrungsergänzungsmittel usw.) oder Konflikte, bei denen sich unterschiedliche Gerechtigkeitsmaßstäbe (Gleichheit, Leistung, Bedarf, ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit usw.) vielfältig überlagern. In solchen Situationen kann die soziologische Analyse entsprechender Konflikte von Methoden der Visualisierung sehr profitieren. Solche Methoden der Visualisierung, insbesondere des -Mapping of Controversies-, werden derzeit in unterschiedlichen Bereichen erprobt. Insbesondere die digitalen Medien sind hierbei nicht nur willkommener Konflikt- und Analysegegenstand (etwa wenn es um das Sammeln privater Daten, um digitales Eigentum, um Plattformen wie Wikileaks oder Praktiken des Whistleblowings geht). Darüber hinaus sind digitale Medien auch für die Verbesserung von Visualisierungs- und Analysetools interessant. So können (digitale) Tools zur Kartierung von Kontroversen nicht zuletzt als Mittel der Wissenschaftskommunikation zum Einsatz kommen und damit die Schnittstelle von Soziologie und Öffentlichkeit bereichern (vgl. Beck 2013).   Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel! Ziel des zweisemestrigen Empiriepraktikums -Kontroversen kartographieren- ist es, den wissenschaftlichen Diskussionsstand zu Einsatzmöglichkeiten visueller Methoden aufzuarbeiten und die vorhandenen Tools zur Kartierung/Visualisierung von Konflikten auszuprobieren bzw. durch eigene Vorschläge zu ergänzen. In der Veranstaltung soll hierfür an selbstgewählten Beispielkonflikten mit den Möglichkeiten der kartographischen Analyse experimentiert werden. Die soziologischen Konfliktanalysen lehnen sich dabei an die Methode der Situationsanalyse (Clarke 2012) an und weisen damit Bezüge zur Ethnographie, zur Diskursanalyse, zur Grounded Theory und zur Akteur-Netzwerk-Theorie auf, können aber auch weitere methodische Verfahren einbeziehen. Bei der Erprobung/Entwicklung von Visualisierungsstrategien wird die Veranstaltung vom Fachgebiet -Neue Medien- (Prof. Joel Baumann und Mitarbeitende, Visuelle Kommunikation) der Kunsthochschule Kassel sowie hinsichtlich der technischen Umsetzung zusätzlich von studentischen Hilfskräften (QSL-Mittel) unterstützt. Außerdem wird das Empiriepraktikum von Mitarbeitenden des Forschungsprojekts -Kartographie und Analyse der Privacy-Arena- (gefördert vom BMBF) und von weiteren Projektmitarbeitenden des Fachgebiets Soziologische Theorie begleitet, die mit Mappingverfahren arbeiten oder experimentieren. Studierende können Teilfragestellungen dieser Projektzusammenhänge aufgreifen und Teams bilden oder andere Konfliktgegenstände für eigene Analysen auswählen. Beck, Gerald (2013): Sichtbare Soziologie. Visualisierung und soziologische Wissenschaftskommunikation in der Zweiten Moderne. Bielefeld: transcript. Clarke, Adele E. (2012): Situationsanalyse. Grounded Theory nach dem Postmodern Turn. Wiesbaden: VS. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2015/16 Soziologie HF Prof. Dr. Lamla Jörn