Uni-Kassel
14. März 2017Projektseminar Wie gestalten Indikatoren und Rankings soziale Welten Teil 1
Ein bekanntes Ranking unter Studierenden ist wahrscheinlich das CHE-Ranking, das in der Zeit veröffentlicht wird, und einen Überblick über die Leistung von Hochschulen und Fächern suggeriert. Dabei handelt es sich aber nur um eines von vielen Rankings. Besonders Ausgeprägt und...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenEin bekanntes Ranking unter Studierenden ist wahrscheinlich das CHE-Ranking, das in der Zeit veröffentlicht wird, und einen Überblick über die Leistung von Hochschulen und Fächern suggeriert. Dabei handelt es sich aber nur um eines von vielen Rankings. Besonders Ausgeprägt und präsent sind Rankings in den Wirtschaftswissenschaften: das Handelsblatt erstellt Rankings getrennt nach Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, bei denen neben dem Forschungsoutput, insbesondere Publikationen in hoch angesehenen Wissenschaftszeitschriften, bewertet werden. Das Ökonomenranking der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bewertet zusätzlich, wie stark diese in gesellschaftlichen Debatten sichtbar sind, z. B. durch Zeitungsbeiträge und Politikberatung. In den Rankings werden die einzelnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Ranglisten miteinander verglichen und in Bezug zueinander gesetzt, und erhalten damit einen individuellen Platz im Wissenschaftssystem anhand der verwendeten Indikatoren.
Verschiedene Studien zeigen, wie das Vorhandensein von Rankings und Indikatoren das Verhalten der Betroffenen verändert und neue bzw. eigene soziale Welten kreieren (Espeland/Sauder 2009). Im Empiriepraktikum soll untersucht werden, wie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in BWL und VWL mit der sozialen Tatsache von Rankings und Indikatoren umgehen. Das heißt zum Beispiel, wie passen sie ihre eigenen Verhaltensweisen an die festgeschriebenen Indikatoren der Rankings an? Welche Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsmuster werden ausgeprägt?
Dazu sollen Interviews (face-to-face und Telefon) geführt, transkribiert und ausgewertet werden. Im Empiriepraktikum wird es eine grundlegende Einführung in die qualitative Methode des Interviews geben, inklusive Leitfadenerstellung, Interviewtechniken und Bildung eines Samples. Theoretische Grundlage für die Untersuchung und Auswertung werden Situationsdefinitionen (Schulz-Schaeffer 2008, 2009) sein, welche zur soziologischen Handlungstheorie gehören.
Einführung in MAXQDA: Es wäre gut, wenn Studierende parallel zum Empiriepraktikum das Blockseminar zur Einführung in die Software MAXQDA zur Analyse von Interviews besuchen würden. Die Termine werden noch bekannt gegeben.
Espeland, Wendy Nelson und Sauder, Michael (2007): Rankings and Reactivity: How Public Measures Recreate Social Worlds. In: American Journal of Sociology, Jg. 113, H. 1, S. 1-40.
Schulz-Schaeffer, Ingo (2008): Die drei Logiken der Selektion. Handlungstheorie als Theorie der Situationsdefinition. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 37, H. 5, S. 362-379.
Schulz-Schaeffer, Ingo (2009): Handlungszuschreibung und Situationsdefinition. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 61, S. 1-24.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Soziologie HF
Schneijderberg Christian