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Uni-München
14. März 2017

Proseminar Der französische Roman der Aufklärung

Die französischen Romanciers des 18. Jahrhundert benutzen den Roman als Instrument der Aufklärung. Ihre Texte modellieren und befragen gleichzeitig zentrale Positionen der lumières. Eine der ersten Modifizierungen des Basispostulats von der raison als wesentlichem Erkenntnisinstrument des Menschen ist seine Ausweitung...

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Die französischen Romanciers des 18. Jahrhundert benutzen den Roman als Instrument der Aufklärung. Ihre Texte modellieren und befragen gleichzeitig zentrale Positionen der lumières. Eine der ersten Modifizierungen des Basispostulats von der raison als wesentlichem Erkenntnisinstrument des Menschen ist seine Ausweitung auf die sens, die Wahrnehmung von Wirklichkeit über die der Vernunft vorgeschalteten Sinneseindrücke und damit die unmittelbar davon angesprochenen Gefühlsregungen, die eine ganz wesentliche Rolle für die Gesellschaftsfähigkeit des Menschen spielen. Dass aber die mit Hilfe der raison wohltemperierte sensibilité in unkontrollierbare, auch nicht mehr sozial kompatible passion umschlagen kann, stellt ein wesentliches Problem innerhalb der Epoche dar, das dann letztlich auch zum Scheitern des Aufklärungssystems beiträgt. Mit dem Briefroman Julie ou la Nouvelle Héloïse entwirft Rousseau das Idealbild einer von der sensibilité gelenkten Gesellschaft und zeigt gleichzeitig auf, um welchen Preis diese stabil gehalten werden kann. Laclos‘ Liaisons dangereuses, die explizite Antwort auf Rousseaus Julie, radikalisiert das individuelle sentiment anhand der Figuren der Marquise de Merteuil und des Vicomte de Valmont zu gesellschaftszerstörendem Egozentrismus und führt mit der Présidente de Tourvel die Manipulierbarkeit des Individuums über seine sensibilité vor. Das Proseminar versteht sich als Vertiefung der Kenntnisse zur Analyse narrativer Texte und als Einführung in die Epoche der Aufklärung. Gute Französischkenntnisse sind Voraussetzung; in einer der ersten Sitzungen wird die Lektürekenntnis zu den Liaisons dangereuses in einem Test abgefragt. Julie ou la Nouvelle Héloïse wird in einzelnen Briefen behandelt. Zur Anschaffung: Jean-Jacques Rousseau, Julie ou la Nouvelle Héloïse, hg. v. M. Launay, Paris: Garnier Flammarion, 2007. Choderlos de Laclos, Les Liaisons dangereuses, hg. v. Ch. Burel, Paris: Gallimard Folioplus, 2008. Zur Auffrischung der Narrativikkenntnisse: M. Scheffel, Martínez, M., Einführung in die Erzähltheorie, München 22000. Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation Studierende des BA Nfs ‚Sprache, Literatur, Kultur’ Diese Veranstaltung entspricht WP 2.0.14/16/18/20 bzw. WP 4.0.14/16/18/20. Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30–60 Min.) schreiben oder eine mündl. Prüfung (15–30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2015 Dr. Dürr Susanne