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14. März 2017Erst auf den Boulevard dann ins Moulin Rouge Die Pariser Belle Epoque im Spiegel ihrer räumlichen Ordnung
Die französische Geschichtsschreibung lässt das 20. Jahrhundert mit einer buchstäblich ‚schönen Epoche‘ beginnen. Nachdem das -lange 19. Jahrhundert- mit dem Fin-de-Siècle eher düster, morbide und dekadent geendet, die Niederlage im Deutsch-französischen Krieg ein ganzes Volk gelähmt hatte, beginnt um 1900...
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Jetzt Lernplan erstellenDie französische Geschichtsschreibung lässt das 20. Jahrhundert mit einer buchstäblich ‚schönen Epoche‘ beginnen. Nachdem das -lange 19. Jahrhundert- mit dem Fin-de-Siècle eher düster, morbide und dekadent geendet, die Niederlage im Deutsch-französischen Krieg ein ganzes Volk gelähmt hatte, beginnt um 1900 eine Periode der Auf-, Um- und Durchbrüche - getragen von einer scheinbar nie dagewesenen Heiterkeit, die bis heute noch das typische Pariser Lebensgefühl klischeehaft bestimmt. Was führt zu diesem abrupten Stimmungswechsel im kollektiven Gedächtnis der Grande Nation und vor allem der Metropole Paris?
Die erwähnten Umwälzungen um 1900 erstrecken sich auf nahezu alle kulturellen Bereiche: In der Kunst hält der Jugendstil Einzug; die Literatur wird zusehends experimenteller; Music Hall, Boulevard und Kaufhaus werden zu den bevorzugten Schauplätzen der Pariser leisure society; der Siegeszug des Films beginnt, etc. Mit der Bohème schließlich betreten Akteure die Plattform der öffentlichen Selbstinszenierung, die man als wichtigsten Vorläufer moderner Jugendkultur(en) verstehen muss. Die Weichen stehen also um 1900 auf Neustart, Optimismus schlägt sich Bahn - die Belle Epoque prägt wie keine andere das bis heute gültige Paris-Bild in den Medien, im Stadtmarketing und vor allem in der Tourismusbranche. Ihr jähes Ende findet die historische Belle Epoque schließlich im Sommer 1914 durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Im Seminar soll der Versuch unternommen werden, anhand von sowohl historischen Zeugnissen als auch zeitgenössischen Darstellungen das topographische Panorama der Pariser Belle Epoque nachzuzeichnen und die sprichwörtliche -beauté- der Epoche kritisch unter die Lupe zu nehmen. Im Zentrum stehen die Bereiche Literatur, Kunst, Medien und öffentliches Leben. Inhalte werden u.a. sein:
Emile Zola: Au bonheur des dames
Klaus Mann: Der fromme Tanz
Baz Luhrmann: Moulin Rouge!
Darüber hinaus werden theoretische Texte von Helmut Kreuzer, Vanessa Schwartz, Charles Baudelaire, Klaus Schüle u.a. konsultiert werden. Diese werden im Semesterapparat zum Seminar sowie via Moodle zur Verfügung gestellt werden.
Zur Anschaffung empfohlen:
Emile Zola: Au bonheur des dames, Paris (Le livre de poche) 1998 (dt.: Das Paradies der Damen, Frankfurt/M. (Fischer) 2004).
Klaus Mann: Der fromme Tanz. Abenteuerbuch einer Jugend, Reinbek 2004.
Romanistik - Französische und italienische Literaturwissenschaft
Universität Siegen
SoSe 2010
Jun.-Prof. Dr.
Schuhen Gregor Jun