Uni-Essen
14. März 2017Proseminar Der Wandel von Jenseitsvorstellungen in der Neuzeit
Obwohl die Moderne vor dem Deutungshorizont der Säkularisierung durch einen tiefgreifenden Wandel des Verhältnisses von Bürger und Christentum bzw. Kirche geprägt ist, werden persönliche Todeserfahrungen bis heute meist in religiösen Kontexten verortet. Das spiegelt sich nicht zuletzt in dem immer...
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Jetzt Lernplan erstellenObwohl die Moderne vor dem Deutungshorizont der Säkularisierung durch einen tiefgreifenden Wandel des Verhältnisses von Bürger und Christentum bzw. Kirche geprägt ist, werden persönliche Todeserfahrungen bis heute meist in religiösen Kontexten verortet. Das spiegelt sich nicht zuletzt in dem immer noch erstaunlich hohen Anteil kirchlicher Beerdigungen an der Gesamtheit der Bestattungen in Deutschland. Die scheinbare Kontinuität, die sich in der Inanspruchnahme der kirchlichen Dienstleistung äußert, verbirgt jedoch die tatsächliche Vielfalt von Vorstellungen, die im Laufe der Neuzeit um die Themen Tod und Sterblichkeit kreisten. Das Bild des Jenseits blieb nicht nur im Katholizismus und Protestantismus lange Zeit umstritten; auch außerhalb kirchlicher Institutionen entwickelten sich neuartige Vorstellungen, die die Deutungshoheit für sich beanspruchten, und damit immer auch in Wechselwirkung mit der zeitgenössischen Gesellschaft standen, denen sie entsprangen: Jenseitsvorstellungen wirkten sich nicht nur auf die Liturgik, die Bestattungsrituale oder die Gestaltung von Kirchen und Friedhöfen aus, sie waren gleichzeitig Spiegel der sozialen Wirklichkeit und Konstruktionen utopischer Gesellschaftsordnungen – und damit hoch politisch. Im Seminar sollen ausgehend von der Reformation bis ins 20. Jahrhundert anhand unterschiedlicher Quellengattungen exemplarische Modelle neuzeitlicher Jenseitsvorstellungen in Deutschland vorgestellt und diskutiert werden. Im Mittelpunkt stehen dabei einerseits ihre religiösen, sozialen und politischen Wurzeln, andererseits ihre Wirkmächtigkeit in theologischen Debatten, in praktizierter Frömmigkeit und in gesellschaftspolitischen Kontroversen.
Geschichte
Universität Duisburg-Essen
WS 2012/13
Rehlinghaus Franziska