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Uni-Kassel
14. März 2017

Proseminar Die Erfahrung der Diktatur Der Nationalsozialismus in Selbstzeugnissen TuK

Für die meisten Zeitgenossen war die Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur mit einschneidenden Veränderungen und Brüchen im alltäglichen Leben verbunden, die nach Vergegenwärtigung, Reflexion und Erklärung verlangten in der unmittelbaren Gegenwart wie auch in der Retrospektive. Als Folge dessen entstanden zahlreiche...

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Für die meisten Zeitgenossen war die Erfahrung der nationalsozialistischen Diktatur mit einschneidenden Veränderungen und Brüchen im alltäglichen Leben verbunden, die nach Vergegenwärtigung, Reflexion und Erklärung verlangten in der unmittelbaren Gegenwart wie auch in der Retrospektive. Als Folge dessen entstanden zahlreiche subjektive Zeugnisse wie Tagebücher und Briefe, aber auch Erinnerungen und Autobiografien. Während erstere Einblicke in die unmittelbare Gefühls- und Gedankenwelt sowie die Wahrnehmungen der Zeitgenossen ermöglichen und somit die Vielfalt des gesellschaftlichen Handelns deutlich machen, beinhalten letztere Reflektionen über das Erlebte sowie Erinnerungskonstruktionen. Gleichzeitig können anhand dieser Selbstzeugnisse die Entwicklungsprozesse ihrer Autoren und Autorinnen analysiert werden. Seit den 1990er Jahren wurde eine wahre Flut an Selbstzeugnissen aus der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlicht. Das zunehmende Interesse an diesen Dokumenten ist nicht allein auf den Wunsch zurückzuführen, die Lebenswelten von Mitläufern, Tätern, Widerstandskämpfern und Opfern verstehen zu wollen, sondern korrespondiert mit dem allmählichen Verschwinden der Zeitzeugen. Die Bedeutung derartiger Zeugnisse wird daher in den kommenden Jahren weiter zunehmen, gleichwohl liegen nur wenige Arbeiten zum quellenkritischen Umgang mit ihnen sowie zu ihrem Aussagewert vor.   Im Seminar werden ausgewählte Selbstzeugnisse, die die Vielfalt der erfahrungsgeschichtlichen Dimension der NS-Herrschaft deutlich machen, unter inhaltlichen und insbesondere quellenkritischen Gesichtspunkten gelesen und interpretiert. Die Breite der behandelten Texte reicht dabei von Zeugnissen einfacher Bürger und Jugendlicher über solche von NS-Funktionären bis hin zu führender Vertretern des Regimes, aber auch Widerstandskämpfern und Opfern der NS-Gewaltherrschaft. Frank Bajohr/Sybille Steinbacher (Hrsg.): ... Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher und persönliche Zeugnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust, Göttingen 2015 (Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte 15). Frank Bajohr/Beate Meyer/Joachim Szodrzynski (Hrsg.): Bedrohung, Hoffnung, Skepsis. Vier Tagebücher des Jahres 1933, Göttingen 2013. Sven Keller (Hrsg.): Kriegstagebuch einer jungen Nationalsozialistin. Die Aufzeichnungen Wolfhilde von Königs 19391946, Berlin/Boston 2015 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 111). Bernd Neumann: Von Augustinus zu Facebook. Zur Geschichte und Theorie der Autobiographie, Würzburg 2013. Susanne zur Nieden: Chronistinnen des Krieges. Frauentagebücher im Zweiten Weltkrieg, in: Hans-Erich Volkmann (Hrsg.): Ende des Dritten Reiches Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine perspektivische Rückschau, München 1995, S. 834860. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2016/17 Geschichte HF M.A. Glaser Marcel M.A