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Uni-München
14. März 2017

Proseminar Die Sprachen der Welt Khoisan

!Xóõ, Ju | ’hoan, ‡Hoan, Khwe: Schier unaussprechlich sind oft schon die Namen der Sprachen, die zu den Khoisan-Sprachen gezählt werden. Für die evolutionäre Anthropologie und die Psychologie sind die Khoisan-Sprachen besonders interessant, weil es sich möglicherweise um den ältesten...

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!Xóõ, Ju | ’hoan, ‡Hoan, Khwe: Schier unaussprechlich sind oft schon die Namen der Sprachen, die zu den Khoisan-Sprachen gezählt werden. Für die evolutionäre Anthropologie und die Psychologie sind die Khoisan-Sprachen besonders interessant, weil es sich möglicherweise um den ältesten Sprachstamm Afrikas handelt – eine These, die auch mit genetischen Untersuchungen im Einklang zu stehen scheint. Es handelt sich bei Khoisan um den sowohl nach Anzahl der Sprachen (heute etwa 45, früher über 100) als auch nach Anzahl der Sprecher (heute nur noch ca. 250.000 Mutter­sprachler) kleinsten Sprachstamm Afrikas – und diese wenigen Sprachen unterscheiden sich so stark voneinander, dass sie nach heutigem Stand der Forschung mehreren separaten Sprachfamilien zugeordnet werden. In der Phonetik und der Phonologie erwarten uns zweifellos die größten Herausforderungen: Alle Khoisansprachen sind Tonsprachen mit komplexen Tonregeln. Noch spektakulärer sind die Clicklaute, die mit ihren feinen Differenzierungen mehr als die Hälfte des Konsonantenumfangs einer Khoesansprache ausmachen können. Davon werden wir uns aber nicht abschrecken lassen: Ohne überzogenen Perfektions­anspruch (wie es für einen Einführungskurs angemessen ist) macht das Üben der ungewohnten Laute Spaß, und schließlich hat es auch die 17-jährige Schauspielerin Reese Witherspoon geschafft, sich die Clicklaute anzueignen (für eine ein­drucksvolle Kalahari-Durchquerung im Disney-Film ‚Die Spur des Windes‘). Aus grammatikalischer Sicht steht die Familie der Khoe-Sprachen, die mit ihren elaborierten Tempus-Morphemen und Kategorien wie dem Dual zum Vergleich mit altphilologischen Sprachen herausfordert, in starkem Kontrast zu den anderen Khoisan-Sprachfamilien, die als tendenziell isolierende Sprachen syntaktische Relationen meist mit analytischen Mitteln ausdrücken und etwa in ihrer Verbserialisation erstaunliche Parallelen zum Chinesischen aufweisen. Im Gegensatz zum Chinesischen wird aber in jeder Khoisan-Sprache mindestens eine nominale Kategorie morphosyntaktisch komplex ausgedrückt, oft Genus (bzw. Nominalklassen) und/oder Numerus. In Bezug auf die Basiswortstellung geht die Variationsbreite von S(ubjekt)-V(erb)-O(bjekt) und S-O-V über Zweitpositionssprachen bis zur V-S-O-Sprache Hadza. Soziolinguistisch spannend ist einerseits der Blick in die Vergangenheit, als vermutlich das ganze südliche Afrika von Khoisan-Sprechern besiedelt war, über das komplexe Verhältnis zu den vor ca. 2000 Jahren allmählich vordringenden Bantu-Sprachen bis hin zur dramatischen weitgehenden Auslöschung der Khoisan-Sprachen infolge der holländischen Invasion ab 1652. Bewegend und ermutigend sind auf der anderen Seite die heutigen Wiederbelebungs­versuche, wenn z.B. alte Frauen, denen ihre Sprache N | uu als Kind verboten wurde, heute ganzen Schulklassen ihre Muttersprache und die damit verbundene Kultur wieder nahebringen. In einem Semester kann der in sich abgeschlossene Kurs nur einen ersten Einblick vermitteln. Neben einzelnen Fallstudien werden wir schwerpunktmäßig die relativ umfangreich dokumentierte Kultur und Sprache der Ju | ’hoansi aus dem Grenzgebiet zwischen Namibia und Botswana kennenlernen. Bei entsprechendem Interesse wird im Sommersemester ein Fortsetzungskurs angeboten werden. Rainer Vossen (Hrsg.): The Khoesan Languages. London, New York: Routledge 2013 Tom Güldemann, Rainer Vossen: Khoisan. In: Bernd Heine, Derek Nurse (Hrsg.): African Languages. An Introduction. Cambridge University Press 2000, S. 99-122 Patrick J. Dickens: A Concise Grammar of Ju | ’hoan with a Ju | ’hoan-English glossary and a subject index. Köln: Köppe 2005 Bernd Heine, Christa König: The !Xun Language. A Dialect Grammar of Northern Khoisan. Köln: Köppe 2015 Alan Barnard: Hunters and herders of Southern Africa. A comparative ethnography of the Khoisan peoples. Cambridge University Press 1992 Richard B. Lee: The Dobe Ju/’hoansi. Boston, Andover: Cengage Learning 42013 Voraussetzungen Grundlegendes Verständnis für sprachliche Unterschiede, Interesse an der Kultur Afrikas. Linguistische Fachbegriffe werden nicht vorausgesetzt, sondern bei Bedarf eingeführt. Leistungsnachweis BA Hauptfach AIS: Klausur, 60 min., benotet. 3 ECTS-Punkte. B.A. Ethnologie: 3 ECTS, unbenotet, Klausur oder mündliche Prüfung. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. BA Nf ‚Sprache, Literatur, Kultur’ : Diese Veranstaltung entspricht in WP 3 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Linguistik m/n/o/p- (WP 3.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. MA CCL (P 3.1): Klausur, 80-120 min, oder Hausarbeit 44.000 - max. 56.000 Zeichen. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. MA-Profilbereich (WP CCL 2): Der Kurs wird gemeinsam mit dem Fortsetzungskurs im folgenden Sommersemester abgeprüft. Anmeldung Belegung zur Hauptbelegfrist: 21.09.-06.10.2015 Downloads DateinameBeschreibunggültig vongültig bis Khoisan01_Einfuehrung.pdf Einführung 23.10.2016 28.02.2017 Khoisan02_SprachenAfrikas.pdf Sprachen Afrikas 29.10.2016 28.02.2017 Khoisan03_Efflux.pdf Clicklaute-Forts. 06.11.2016 28.02.2017 Zum Download müssen Sie angemeldet sein! C3-Professur für Allgemeine Sprachwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schulze) Grundlegendes Verständnis für sprachliche Unterschiede, Interesse an der Kultur Afrikas. Linguistische Fachbegriffe werden nicht vorausgesetzt, sondern bei Bedarf eingeführt. BA Hauptfach AIS: Klausur, 60 min., benotet. 3 ECTS-Punkte. B.A. Ethnologie: 3 ECTS, unbenotet, Klausur oder mündliche Prüfung. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. BA Nf ‚Sprache, Literatur, Kultur’ : Diese Veranstaltung entspricht in WP 3 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Linguistik m/n/o/p- (WP 3.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. MA CCL (P 3.1): Klausur, 80-120 min, oder Hausarbeit 44.000 - max. 56.000 Zeichen. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. MA-Profilbereich (WP CCL 2): Der Kurs wird gemeinsam mit dem Fortsetzungskurs im folgenden Sommersemester abgeprüft. LMU München WiSe 1617 Dr. Wirsching Christoph