Uni-Dortmund
14. März 2017Proseminar Erbe und Literatur
Erben und Vererben ist eine Kulturtechnik, die Herkunft gibt und Zukunft sichert – und gleichzeitig wohl auch immer belastet und verhängt. Erben hat immer schon Teil an vielen Diskursen, an dem des Rechts, der Familie, der Ökonomie, der Biologie, der...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenErben und Vererben ist eine Kulturtechnik, die Herkunft gibt und Zukunft sichert – und gleichzeitig wohl auch immer belastet und verhängt. Erben hat immer schon Teil an vielen Diskursen, an dem des Rechts, der Familie, der Ökonomie, der Biologie, der Geschichte, der Informatik, der Psychoanalyse, nicht zuletzt am Erzählen von Familien- und anderen Geschichten. Als zentrales Element des Familiendramas ist es auch immer wieder zum Gegenstand der Literatur und des Theaters geworden, z.B. in Shakespeares King Lear oder in Testament, einer aktuellen Performance des Kollektivs She She Pop, in der auch heutige Familienkonflikte nach Shakespears Vorlage gedeutet werden.
Aber nicht nur Könige und Königskinder treibt das Recht der Sukzession um, sondern auch Revolutionäre: Die französischen von 1789 haben Erbfolge und -teilung als ein geeignetes Mittel erkannt, die rechtlich-ökonomische Basis des Feudalsystems zu zerschlagen. Danach haben sich einige Dekaden mit heißen Debatten um das Erbrecht gefüllt, von dem Alexis de Tocqueville einmal gesagt hat, dass es eine Maschine sei, die »alles in Trümmer gehen lässt, was sich ihr in den Weg stellt«, bis sich dem Auge nur noch »Staub« darbiete und die »Demokratie ihr Lager« aufschlagen könne. Heinrich Heine und Ludwig Börne sind angetan von solchen Gedanken. Hingegen haben die meisten Konservativen des 19. Jahrhunderts einmal mehr die Substanz der Nation bedroht gesehen. Es geht eben um alles, bei diesem Thema: um Her- und Zukunft, Genealogie und Geschichte, und damit natürlich auch um die Verfasst- und Bedingtheit der gegenwärtigen Verhältnisse. Nicht zuletzt wurde in diesen Kämpfen des 19. Jahrhunderts auch ein theoretisches Konzept geboren: das ›kulturelle Erbe‹.
Das Seminar will in dieses vielfältige, gleichermaßen kultur- wie literaturwissenschaftliche Thema einführen, bei dem es verschiedene spannende Aspekte zu entdecken gibt. Es werden unter anderem Texte gelesen von: Shakespeare, Lessing, Napoleon Bonaparte (CN), Heinrich Heine, Alexis de Tocqueville, Funke und Bülau (die durch Nennung ihrer Vornamen nicht bekannter würden), Gustav Radbruch, Walter Benjamin, Jacques Lacan.
Anzuschaffen:
William Shakespeare: King Lear / König Lear. Englisch-Deutsch. Ditzingen: Reclam 1973. (Reclam-Heft 9444) (6,80 Euro)
Gotthold E. Lessing: Nathan der Weise. Ditzingen: Reclam 2000. (Reclam-Heft 3) (3,00 Euro)
Alle anderen Texte werden im EWS zur Verfügung gestellt.
Technische Universität Dortmund
SoSe 2012
Lück Christian