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Uni-Essen
14. März 2017

Proseminar Erinnerungsliteratur

Befinden wir uns in einem Zeitalter der Erinnerungskultur? Bereits seit den 1980er Jahren hat die Gedächtnisforschung auch innerhalb der Literaturwissenschaft Konjunktur, sodass Termini wie ›Erinnerungsliteratur‹ oder ›Gedächtnisromane‹ immer häufiger für die Kategorisierung literarischer Texte gebraucht werden. Doch was zeichnet diese...

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Befinden wir uns in einem Zeitalter der Erinnerungskultur? Bereits seit den 1980er Jahren hat die Gedächtnisforschung auch innerhalb der Literaturwissenschaft Konjunktur, sodass Termini wie ›Erinnerungsliteratur‹ oder ›Gedächtnisromane‹ immer häufiger für die Kategorisierung literarischer Texte gebraucht werden. Doch was zeichnet diese Texte aus? Besteht ein Unterschied zwischen Erinnerungs- und Gedächtnisliteratur? Zunächst einmal weist Literatur Ähnlichkeiten zum Funktionssystem ›Gedächtnis‹ auf und ist deshalb in besonderem Maße geeignet, um auf Erinnerungskulturen einzuwirken. Ob ein Text als ›Medium des kollektiven/kulturellen Gedächtnisses‹ gelten kann, entscheidet jedoch erst die Rezeption, die ihrerseits von der ›Rhetorik der Texte‹ abhängt. Damit gerät die Gesamtheit der literarischen Gestaltung von Texten in den Blick: Selektionsstruktur, Zeit- und Raumdarstellung, Perspektivenstruktur, erzählerische Vermittlung und Intermedialitäten, um nur einige Analyseaspekte zu nennen. Um sinnvoll über Erinnerungs-/Gedächtnisliteratur sprechen zu können, bedarf es zu Beginn des Seminars einer Beschäftigung mit kulturwissenschaftlichen Gedächtnistheorien. Was ist der Unterschied zwischen ›Erinnern‹ und ›Gedächtnis‹? Was versteht man unter ›kommunikativem/kollektivem/kulturellen Gedächtnis‹? Im Anschluss daran gilt es, explizit literaturwissenschaftliche Konzepte zur Erinnerungs- und Gedächtnisforschung in den Blick zu nehmen, um so ein Instrumentarium für die Analyse literarischer Texte zu erhalten. Damit lassen sich dann konkrete Fallbeispiele untersuchen, womit gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der kulturwissenschaftlichen Theorieansätze geprüft werden kann. Assmann, Aleida: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. München: Beck 1999. Assmann, Aleida: Generationsidentitäten und Vorurteilsstrukturen in der neuen deutschen Erinnerungsliteratur. Wien: Picus 2006. Assmann, Aleida: Einführung in die Kulturwissenschaft. Grundbegriffe, Themen, Fragestellungen. Berlin: Erich Schmidt 2008. Halbwachs, Maurice: Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Übers. von Lutz Geldsetzer. Berlin und Neuwied: Luchterhand 1966. Halbwachs, Maurice: Das kollektive Gedächtnis. Übers. von Holde Lhoest-Offermann. Stuttgart: Ferdinand Enke 1967. Erll, Astrid: Gedächtnisromane. Literatur über den Ersten Weltkrieg als Medium englischer und deutscher Erinnerungskulturen in den 1920er Jahren. Trier: WVT 2003. Erll, Astrid: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung. Stuttgart u.a.: Metzler 2005. Neumann, Birgit: Erinnerung - Identität - Narration. Gattungstypologie und Funktionen kanadischer -Fictions of Memory-. Berlin u.a.: Walter de Gruyter 2005. Welzer, Harald (Hg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburg: Hamburger Editionen 2001. Germanistik Die Bedingungen für den Scheinerwerb werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben. Universität Duisburg-Essen SS 2011 LGyGe, Lehramt an Gymnasien u. Gesamtschulen Germanistik