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Uni-Kassel
14. März 2017

Proseminar Flaubert L'éducation sentimentale L1 Modul 9 L2 Modul 9 L3 Modul 13,14

Das Seminar möchte in einer intensiven Lektüre die besondere Komposition und Erzählweise der

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Das Seminar möchte in einer intensiven Lektüre die besondere Komposition und Erzählweise der 'Éducation sentimentale' untersuchen, die Zeitgenossen Flauberts zum Urteil eines -roman non romancé- (Théodore de Banville) veranlasst haben und noch für heutige Leser die Modernität des Textes ausmachen. -Le mari, la femme, l'amant, tous s'aimant, tous lâches-: so lautet die lapidare Formel, in der Flaubert noch 1862 sein Romanprojekt zusammenfasste. Bis zur Veröffentlichung im Jahre 1869 wird aus dieser einfachen Dreiecksbeziehung die Geschichte eines jungen Mannes, die Flaubert als -histoire morale des hommes de [s]a génération- verstanden wissen will. Anders als seine literarischen Vorfahren (etwa Julien Sorel bei Stendhal oder Rastignac bei Balzac), die aus der Provinz nach Paris kamen, vermag Frédéric Moreau weder bei den Frauen, noch in der Politik oder der Kunst zu reüssieren. Die Entwicklung, die der Titel verspricht, findet nicht statt. Am Ende vermag der inaktive Held nur noch, resigniert sein Scheitern festzustellen und einem -défaut de la ligne droite- zuzuschreiben. Das Fehlen einer geraden Linie charakterisiert aber nicht nur die Geschichte Frédérics, sondern kann als metatextuelle Metapher für die Erzählweise des Romans überhaupt aufgefasst werden. Ziel des Seminars ist es nicht zuletzt, die 'Éducation sentimentale' im Spannungsfeld von Realismus und Autonomie der Kunst zu situieren. Denn bezeichnenderweise hat der Nouveau Roman im 20. Jahrhundert Flaubert zu einem seiner Vorläufer gekürt, während Balzac für ihn all das zu repräsentieren scheint, was es zu überwinden gilt. Auch wenn diese Opposition in ihrer Absolutheit kritisch zu hinterfragen wäre, soll ein Blick auf die 'plans' et 'scénarios', die Flaubert als Vorstufen zu seinem Roman entworfen hat, doch zeigen, inwiefern sein Schreiben als eine konsequent betriebene 'débalzaquisation' zu verstehen ist. Anzuschaffen und bis zu Semesterbeginn zu lesen ist folgende Ausgabe: Gustave Flaubert, L'Éducation sentimentale (1869). Paris: Gallimard (folio), 2005. Ebenfalls zur einführenden Lektüre empfohlen: Yvan Leclerc, Gustave Flaubert ‚L'Éducation sentimentale'. Paris: PUF, 1997. VoraussetzungenErfolgreich abgeschlossener OK Französische Literaturwissenschaft LeistungsnachweisRegelmäßige aktive Teilnahme, Referat und Hausarbeit FB 02 Institut für Romanistik Uni Kassel WS 2006/2007 Romanische Philologie NF FB 02 Institut für Romanistik Müller Stephanie