Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Liebe Lust und Leidenschaft Formen von Emotionalität in mittelalterlicher Epik
Liebe, Lust und Leidenschaft: Formen von Emotionalität in mittelalterlicher Epik Die Fähigkeit, Gefühle entwickeln und artikulieren zu können, zählt zu den Grundbedingungen und Grundfähigkeiten des menschlichen Lebens. Bereits mittelalterliche Epik ist von Mustern und Motiven der Emotionalität durchzogen, ihre Ausdrucksweisen...
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Jetzt Lernplan erstellenLiebe, Lust und Leidenschaft: Formen von Emotionalität in mittelalterlicher Epik
Die Fähigkeit, Gefühle entwickeln und artikulieren zu können, zählt zu den Grundbedingungen und Grundfähigkeiten des menschlichen Lebens. Bereits mittelalterliche Epik ist von Mustern und Motiven der Emotionalität durchzogen, ihre Ausdrucksweisen sind jedoch einem historischen und kulturellen Wandel unterworfen, können sich also stark von heute geläufigen Formen unterscheiden und sie sind in ihren verbalen und nonverbalen Mustern äußerst ritualisiert. Gleichzeitig ist das Reden und das Wissen über Emotionen auch im Mittelalter nicht uniform, sondern von einer Vielzahl von Diskursen geprägt. So bietet das Untersuchungsfeld der Emotionalität mit Blick auf mittelalterliche Texte spannende Forschungsperspektiven.
Beispielsweise stellt Liebe als emotionales Grenzphänomen insofern ein Paradoxon dar, als die in der Liebe erfahrene Selbstentäußerung sowohl Lust als auch Leid, Freude oder Schmerz erzeugen kann. Das Überwältigende dieses Gefühls wird in Abhängigkeit von kulturellen und historischen Rahmenbedingungen positiv oder negativ gewertet, wobei Liebe zwischen Erfüllung und Aufschub schwebt.
Emotionale Erfahrungen wie Liebe, Leidenschaft, Angst und Trauer erscheinen aus literaturwissenschaftlichem Blickwinkel besonders reizvoll, weil hier eine wechselseitige Verschränkung von Sprachlichkeit und Emotionalität deutlich wird. Gleichzeitig werden Gefühle als kulturelles Phänomen verstanden, das als Schnittstelle kultureller Bedeutungen und sozialer Beziehungen einen wichtigen Stellenwert in einer Gesellschaft einnimmt.
Für das Seminar ist von besonderem Interesse, wie Emotionen im mittelalterlichen Text -erfahrbar- werden: Wie und von wem werden sie mitgeteilt, wie ästhetisch dargestellt, durch welche Handlungen begleitet und welche Wirkung haben sie auf den Rezipienten? Anhand von Auszügen aus mittelhochdeutscher Epik sollen Muster und Motive der höfischen Emotionalität gesammelt, verglichen und interpretiert werden. Die Fremdheit, Dynamik und Inszenierung von Emotionen in den mittelalterlichen Texten ist hierbei besonders fesselnd und auch eine spannende Herausforderung.
Mediävistische Einführungen:
Bein, Thomas: Germanistische Mediävistik. Eine Einführung. 2., überarbeitete und erw. Aufl. Berlin 2005 (Grundlagen der Germanistik; 35).
Brinker-von der Heyde, Claudia: Die literarische Welt des Mittelalters. Darmstadt 2007.
Brunner, Horst: Geschichte der deutschen Literatur des Mittelalters im Überblick. Stuttgart 1997.
Bumke, Joachim; Cramer, Thomas; Kartschoke, Dieter: Geschichte der deutschen Literatur im hohen Mittelalter. 5. Aufl., aktualisierte Neuausg. München 2004.
Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. Orig.-Ausg., 11. Aufl. München 2005.
Ehrismann, Otfried: Ehre und Mut, Aventuire und Minne. Höfische Wortgeschichten aus dem Mittelalter. München 1995.
Forschungsliteratur:
Eming, Jutta: Emotion und Expression. Untersuchungen zu deutschen und französischen Liebes- und Abenteuerromanen des 12. - 16. Jahrhunderts. Berlin 2006.
Jaeger, C. Stephen; Kasten, Ingrid (Hg.): Codierungen von Emotionen im Mittelalter. Berlin 2003.
Koch, Elke: Trauer und Identität. Inszenierungen von Emotionen in der deutschen Literatur des Mittelalters. Berlin 2006.
Kraß, Andreas; Tischel, Alexandra: Bündnis und Begehren. Ein Symposium über die Liebe. Berlin 2002.
Lenschen, Walter: Die Sprachen der Liebe. Langages de l'amour. Bern 2000.
Meier, Heinrich; Benardete, Seth (Hg.): Über die Liebe. Ein Symposion. 3. Aufl. München2008.
Schnyder, Mireille (Hg): Schrift und Liebe in der Kultur des Mittelalters. Berlin 2008.
Bemerkung
LitWiss GS 2.2,2.3
Modulzuordnung:
BAHF/M4
BANF/M4
L1/M3
L2/M2
L2/M4
L3/M4
Voraussetzungen
Seminarvorbereitung:
Alle SeminarteilnehmerInnen lesen die vorgegebene Textpassage sorgfältig, setzen sich mit lektüreleitenden Fragestellungen auseinander.
Leistungsnachweis
Sitzungsgestaltung mit anschließender Ausarbeitung:
Einzeln oder in einer Zweiergruppe leiten die Studierenden eine oder einen Teil einer Sitzung. Hierbei können Impulsreferate (höchstens 10 Minuten) als Einführung in das Thema dienen, aber die anschließende gemeinsame Analyse der jeweiligen Primärtexte anhand von Thesen und Fragestellungen, die die Referenten erarbeitet haben, steht im Zentrum, so dass eine gemeinsamer Diskussion stattfindet.
• Wichtig: Erarbeiten sie Fragestellungen, Thesen und formulieren sie ihre Probleme, so dass in der Sitzung gemeinsam diskutiert werden kann.
• Für die Referateund Sitzungsgestaltungen wird eine kritische Lektüre des Primärtextes und die Lektüre der wichtigsten Forschungsliteratur zu dem jeweiligen Motivkomplex erwartet.
• Zu jeder Sitzung gehört die Abgabe eines Thesenblattes mit genauen bibliographischen Angaben der relevanten Primär- und Forschungsliteratur. Es soll die Inhalte des Kurzreferats, die Fragen und Analyseergebnisse prägnant zusammenfassen (max. 1-2 Seiten).
Die schriftliche Ausarbeitung:
• Die schriftliche Ausarbeitung bildet die schriftliche Grundlage für den Crediterhalt (ca. 10 Seiten, für L1 5-10 Seiten)
• Die Ausarbeitung folgt der üblichen Struktur von Einleitung, Hauptteil und Schluss.
• Im Zentrum steht die Formulierung einer wissenschaftlichen Fragestellung zu dem jeweiligen Sitzungsthema, die anhand einer Primärtextanalyse und unter Einbezug der wichtigsten Forschungsliteratur diskutiert werden soll.
• Anregungen für die wissenschaftlichen Fragestellungen sollen die textanalytischen Sitzungen bieten.
FB 02 Institut für Germanistik
Seminarvorbereitung:
Alle SeminarteilnehmerInnen lesen die vorgegebene Textpassage sorgfältig, setzen sich mit lektüreleitenden Fragestellungen auseinander.
-10,1210151
Uni Kassel
WS 2009/2010
Deutsch
Germanistik/Deutsch
Dr.
Schul Susanne