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Uni-München
14. März 2017

Proseminar Mikrographien Kafkas kleine Formen

-Er hat zwei Gegner, der Erste bedrängt ihn von rückwärts vom Ursprung her, der Zweite verwehrt ihm den Weg nach vorne. Er kämpft mit beiden.- Kafkas Parabel aus dem ,Er‘-Konvolut nimmt sich als Kontrafaktur einer Entwicklungsgeschichte oder – so Hannah...

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-Er hat zwei Gegner, der Erste bedrängt ihn von rückwärts vom Ursprung her, der Zweite verwehrt ihm den Weg nach vorne. Er kämpft mit beiden.- Kafkas Parabel aus dem ,Er‘-Konvolut nimmt sich als Kontrafaktur einer Entwicklungsgeschichte oder – so Hannah Arendt im Vorwort ihrer 1961 erschienenen Übungen im politischen Denken – als spezifisch zeitdiagnostisches Dokument einer Übergangsgeneration aus: als Erfahrung einer -Lücke in der Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft-, in der -Er- aus Kafkas gleichnamiger Parabel steht, zwischen einem Nicht-mehr, das ihn vorantreibt und einem Noch-nicht, das ihn zurückstößt, und das, ,in dieser kleinen Welt deutsch-jüdischer Literatur‘, in der Kafkas Schreiben sich bewegt, zu dem Bewusstsein einer sich mehrfach überbietenden Unmöglichkeit führt: der -Unmöglichkeit, nicht zu schreiben, der Unmöglichkeit, deutsch zu schreiben, der Unmöglichkeit, anders zu schreiben, [...] d[er] Unmöglichkeit zu schreiben- überhaupt. Vor dem Hintergrund dieser dilemmatischen Erfahrung einer vorzugsweise jüdischen Übergangsgeneration, die bei Kafka unter dem Schlagwort einer -Besprechungsmöglichkeit des Gegensatzes zwischen Vätern und Söhnen- firmiert, hält sich am Horizont dieser Literatur – und dies ist der Einsatzpunkt unseres Seminars – eine Forderung und ein Wunsch bereit: -sich unendlich klein [zu] machen oder es [zu] sein.- Im Seminar werden wir die Frage nach Funktion und Bedeutung des Kleinen, insbesondere in Rückbezug auf das bei Kafka angedeutete Konzept minoritärer Literaturen, stellen. Dabei soll am Beispiel einer umfassenden Lektüre verschiedener ,kleiner Szenen‘ herausgearbeitet werden, inwiefern sich bei Kafka gerade im Misslingen der großen Form – wie Walter Benjamin scharfsinnig formuliert – -das neue Ohr für die neuen Gesetze und der neue Blick für die neuen Verhältnisse- in Ästhetik und Politik, und das meint vor allem: für Organisationsformen des Sozialen, angelegt sehen. Eine grundsätzliche Kenntnis der Erzählungen und Romanfragmente Kafkas ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Das Seminar kann auch zur Vertiefung und Erweiterung von Vorkenntnissen genutzt werden. Eine genaue Lektüreliste (Primärtexte/ Sekundärtexte) wird zu Semesterbeginn verteilt. Walter Benjamin: -Franz Kafka: Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages.- In: Hermann Schweppenhäuser (Hg.): Benjamin über Kafka. Texte, Briefzeugnisse, Aufzeichnungen. Frankfurt a. Main: Suhrkamp, 1981, S. 9-38 und Franz Kafka: -Beim Bau der chinesischen Mauer.- In: Op. Cit., S. 39-46. Gilles Deleuze/ Félix Guattari: Kafka. Für eine kleine Literatur. Aus dem Frz. von Burckhart Kroeber. Frankfurt a. Main: Suhrkamp, 1976. Leistungsnachweis Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. Als Proseminar: B.A.-Hauptfach Germanistik, alle modularisierten Lehrämter Deutsch, B.A./M.A. Berufliche Bildung und B.A. Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie): Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen). Die Prüfungen werden benotet. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. Anmeldung Per E-Mail an anne.kolb@germanistik.uni-muenchen.de Downloads DateinameBeschreibunggültig vongültig bis Anz Kein Held. Nirgends? .webarchive Anz Kein Held. Nirgends? Lehmann Der buchstäbliche Körper.pdf Thies-Lehmann Der buchstäbliche Körper Neumann Fetischisierung.pdf Neumann Fetischisierung Öhlschläger Poetik und Ethik der kleinen Form.pdf Öhlschläger Poetik und Ethik der kleinen Form Hamann Roßmanns Zerstreuung.pdf Hamann Roßmanns Zerstreuung Deleuze Was ist eine kleine Literatur?.pdf Deleuze Was ist eine kleine Literatur? Öhlschläger Negative Anthropologie.pdf Öhlschläger Negative Anthropologie Neumann Gleitendes Paradox.pdf Neumann Gleitendes Paradox Günter Going Borderline.pdf Günter Going Borderline Neumann Hungerkünstler und Menschenfresser.pdf Neumann Hungerkünstler und Menschenfresser Zum Download müssen Sie angemeldet sein! Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. Als Proseminar: B.A.-Hauptfach Germanistik, alle modularisierten Lehrämter Deutsch, B.A./M.A. Berufliche Bildung und B.A. Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie): Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen). Die Prüfungen werden benotet. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. LMU München WiSe 1415 Kolb Anne