Uni-Essen
14. März 2017Proseminar Proseminar Spanische Sprachwissenschaft Das spanische in Paraguay
Die sprachliche Situation Paraguays nimmt auf dem gesamten amerikanischen Kontinent eine Sonderstellung ein. Eine sehr früh einsetzende Mestizisierung, die Vermischung der Guaraní-Indianer mit der übrigen Bevölkerung nach dem Zusammenfall des Jesuitenstaats im Jahre 1767 sowie die ständige Isolierung des Landes...
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Jetzt Lernplan erstellenDie sprachliche Situation Paraguays nimmt auf dem gesamten amerikanischen Kontinent eine Sonderstellung ein. Eine sehr früh einsetzende Mestizisierung, die Vermischung der Guaraní-Indianer mit der übrigen Bevölkerung nach dem Zusammenfall des Jesuitenstaats im Jahre 1767 sowie die ständige Isolierung des Landes haben zu dem einzigartigen Umstand geführt, dass eine ursprünglich indigene Sprache – das Guaraní – wesentlicher Bestandteil der Identität eines ganzen Volks geworden ist und heute ungefähr 90% der Einwohner diese autochthone Sprache mehr oder weniger gut beherrschen. Vor allem in ländlichen Gebieten ist sie oft das einzige Kommunikationsmittel. Mehr als die Hälfte aller Paraguayer sind zweisprachig. Dabei liegt eine Diglossiesituation vor: Die Verwendung des Guaraní im familiären Bereich steht dem Spanischen als formeller und administrativer Sprache, die in den Städten vorherrscht, gegenüber. Die seit 500 Jahren mehr oder weniger stark ausgeprägte Zweisprachigkeit der meisten Paraguayer mit einer steten gegenseitigen Beeinflussung des Spanischen und des Guaraní hat in dieser sogenannten Interstratsituation zu einer dauerhaften Sprachkonvergenz geführt. Einerseits hat sich so das paraguayische Spanisch mit seinen Charakteristika herausgebildet, andererseits das gesprochene Guaraní, welches auf sämtlichen sprachlichen Ebenen starke Interferenzen mit dem Spanischen bzw. die ständige Präsenz beider Sprachen aufweist. Im Ergebnis handelt es sich somit um ein -Sprechen mit zwei Sprachen”, das die Paraguayer in ihrer autochthonen Sprache Jopara ‘Mischung’ nennen.
In den ersten Sitzungen werden wir uns mit der Landeskunde Paraguays – v. a. der Kultur, den alteingesessenen Ethnien und den später eingewanderten Minderheiten, wie etwa den Mennoniten – beschäftigen. Die Sprachgeschichte der gesamten -Zona guaranítica”, die neben dem Zentrum Paraguay auch angrenzende Teile Brasiliens und Argentiniens umfasst, wird ein tieferes Verständnis für die aktuelle sprachliche Situation liefern. Eine wesentliche Folge des guaraní-spanischen Sprachkontakts ist das so genannte Code-Switching, welches auch in anderen zwei- bzw. mehrsprachigen Gesellschaften beobachtet werden kann und im Seminar näher untersucht wird. Zentrale Ziele der Veranstaltung bestehen darin, phonetische, grammatische sowie lexikalische Besonderheiten des paraguayischen Spanisch herauszuarbeiten. Dazu sollen insbesondere vor Ort gemachte Sprachaufnahmen analysiert werden. Viele Charakteristika sind zudem in anderen spanischen Varietäten Lateinamerikas wiederzu-finden. Der Guaraní-Einfluss kann also nicht der einzige Grund für die Eigenheiten des Spanischen in Paraguay sein.
Romanistik
Universität Duisburg-Essen
WS 2012/13
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