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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Vorlesung Die Sprache der Sprachphilosophie

Die Sprache ist einerseits Gegenstand der Sprachphilosophie, andererseits das Medium, in dem sie betrieben wird - für beide Beziehungen steht der Titel der Vorlesung. Beide Beziehungen scheinen trivial, sind es aber bei näherem Hinsehen nicht. So ist es ist nicht...

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Die Sprache ist einerseits Gegenstand der Sprachphilosophie, andererseits das Medium, in dem sie betrieben wird - für beide Beziehungen steht der Titel der Vorlesung. Beide Beziehungen scheinen trivial, sind es aber bei näherem Hinsehen nicht. So ist es ist nicht einmal selbstverständlich, daß es -die- Sprache als Gegenstand der Sprachphilosophie überhaupt gibt. Radikale Gebrauchstheorien, wie diejenige Wittgensteins, beispielsweise möchten eine solche Voraussetzung überhaupt aufheben. Ungeachtet dessen wird seit Frege jedoch mehr oder weniger stillschweigend vorausgesetzt, daß es eine (und zwar nur eine) für alle Sprachen gültige logische Form gibt, die als Fundament und Gegenstand der sprachphilosophischen Untersuchungen gilt. Von ihr aus läßt sich über die Bedeutung singulärer und genereller Terme, über das Verhältnis von Wahrheit und Referenz oder über das Verhältnis von Struktur der Sprache und Struktur der Welt nachdenken. Aber wie kann man die Annahme einer (und nur einer) logischen Form der Sprache eigentlich rechtfertigen? Und was gehört zu einer solchen Struktur dazu? Wie neutral ist sie beispielsweise gegenüber unterschiedlichen ontologischen Theorien? Ist es so harmlos, wie in der Regel suggeriert wird, die in natürlichen Sprachen allgegenwärtige Zeitbestimmung als eine Art von Additiv zu behandeln, das zur Grundstruktur der Sprache nichts beiträgt? Lange Zeit glaubte man, daß die Linguistik hier empirische Schützenhilfe leisten kann, doch auch scheint das mehr und mehr zweifelhaft, da die Chomskysche Theorie der Universalgrammatik durch neuere empirische Untersuchungen zur Sprachentwicklung in Frage gestellt wird. In der Vorlesung möchte ich zeigen, daß es im Bereich der -logischen Form- der Sprache keine fundamentalistischen Rechtfertigungen gibt, daß man vielmehr immer nur eine Art von -Überlegungsgleichgewicht- herstellen kann, in dem verschiedene Vor- und Nachteile theoretischer Überlegungen gegeneinander abgewogen werden, und daß ein Pluralismus der logischen Form - wie er in der antiken Auffassung von der Sprache gängig war - eine attraktive Alternative zum gegenwärtigen, von Frege geprägten Bild von der Sprache bildet. Wenn man einmal zur Einsicht gekommen ist, daß man nicht einfach voraussetzen kann, daß alle Sprachen die gleiche logische Struktur miteinander teilen, wird auch die Frage relevant, welchen Einfluß die Sprache hat, in der man über die Sprache nachdenkt. Diese Frage führt selbstverständlich unmittelbar zu der nach der Übersetzbarkeit verschiedener Sprachen ineinander. Zwar sind radikale Unübersetzbarkeitsbehauptungen heute empirisch wie theoretisch diskreditiert, aber sobald man reichhaltigere sprachliche Strukturen in den Blick nimmt, werden auch die Unterschiede zwischen den Sprachen relevanter. Auf der lexikalischen Ebene ist dies eine vertrautere These; zu erkunden ist, ob und in welchem Umfang das auch für die strukturelle Ebene gelten kann. Besondere Aufmerksamkeit möchte ich in diesem Zusammenhang der Frage widmen, was eigentlich -Klarheit- in der Philosophie bedeutet. Denn von der Sprache, in der wir philosophieren, verlangen wir, daß sie strukturell wie semantisch klar sei; das scheint vorauszusetzen, daß es eine und nur eine maximal klare Ausdrucksweise (und somit Sprache) gibt, in der alle Gedanken formuliert werden können. In dieser Vorlesung soll es also zum einen um grundsätzliche Überlegungen gehen, wie Sprachphilosophie betrieben werden sollte. Zum anderen sollen grundlegende Begriffe und Annahmen der Sprachphilosophie auf den Prüfstand gestellt werden. Die Veranstaltung ist einerseits als Vorlesung angekündigt, weil es nicht um die Lektüre irgendwelcher Texte zur Sprachphilosophie gehen soll, sondern einzig und allein um die systematische Diskussion der skizzierten Probleme. Andererseits ist sie als Seminar angekündigt, weil sie nicht wie eine Einführungsvorlesung einen Stoff vermittelt, der am Ende durch eine Klausur abgefragt werden kann, sondern in einem in der Vorlesung zu entfaltenden Prozeß der Überlegung besteht. Für Abschlußprüfungen werden daher die für Seminare üblichen Formen der Hausarbeit und mündlichen Prüfung in Frage kommen. Linguistik (BA, PO 2011) Universität Düsseldorf WiSe 2015/16 Univ.-Prof. Dr. Becker Alexander