Uni-Essen
14. März 2017Proseminar Proseminare Mittelalter
Gruppe 1: Christianisierung im frühen Mittelalter Die Christianisierung ist ein historisch facettenreicher Prozess, der seit der Spätantike die Gestaltung der politischen Ordnung sowie die gesellschaftliche und kulturelle Formation des werdenden Europa maßgeblich beeinflusst hat. Das Seminar soll anhand von Quellen...
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Jetzt Lernplan erstellenGruppe 1: Christianisierung im frühen Mittelalter
Die Christianisierung ist ein historisch facettenreicher Prozess, der seit der Spätantike die Gestaltung der politischen Ordnung sowie die gesellschaftliche und kulturelle Formation des werdenden Europa maßgeblich beeinflusst hat. Das Seminar soll anhand von Quellen diskutieren und analysieren, welchen Verlauf die Christianisierung nahm sowie die Entwicklung des Christentums im Frühmittelalter nachzeichnen. Letztlich soll so gezeigt werden, welche zentrale gesellschaftliche Relevanz Christianisierung und Christentum in dieser Zeit hatten. Ebenso vermittelt das Seminar grundlegende Techniken und Arbeitsweisen des Historikers.
Einführende Literatur: Brown, Peter: The Rise of Western Christendom, 2. erw. Aufl., Oxford 2003; Stiegemann, Christoph/ Kroker, Martin/ Walter, Wolfgang (Hrsg.): CREDO: Christianisierung Europas im Mittelalter, 2 Bde., Petersberg 2013; von Padberg, Lutz E.: Die Christianisierung Europas im Mittelalter, Stuttgart 1998.
Gruppe 2: Karl der Große
Karl der Große, der vor 1200 Jahren am 28. Januar 814 starb, hat wie kaum eine andere historische Gestalt eine über die eigene Lebenszeit hinausgreifende Wirkung entfalten können. Heute erinnern wir uns seiner vor allem als Herrscher, der die Zersplitterung der Völkerwanderungszeit überwand und damit die Grundlage Europas schuf. Als Historiker haben wir die Aufgabe, uns mit diesem Bild auseinanderzusetzen und es mit Hilfe der zeitgenössischen Quellen kritisch zu untersuchen. Anhand der Quellen soll im Seminar nicht nur unsere heutige Sichtweise in Frage gestellt werden, sondern zugleich Einblicke in Karls Politik sowie der karolingischen Lebenswelt gegeben werden. Ebenso vermittelt das Seminar grundlegende Techniken und Arbeitsweisen des Historikers.
Einführende Literatur: Becher, Matthias: Karl der Große, München 1999; Hartmann, Wilfried: Karl der Große, Stuttgart 2010; Schieffer, Rudolf: Die Karolinger. München³ 2000; Story, Joanna (Hrsg.): Charlemagne. Empire and Society, Manchester/ New York 2005
Gruppe 3: Das Konzil von Konstanz 1414 – 1418
Vor 600 Jahren berief der Pisaner Papst Johannes XXIII. auf Betreiben des römisch-deutschen Königs Sigismund ein Konzil in Konstanz am Bodensee ein. Damit wurde Konstanz für vier Jahre Schauplatz des größten Gipfeltreffens der mittelalterlichen Kirchengeschichte. Auf der Tagesordnung des Konzils standen brennende Fragen und Missstände, welche die Kirche zu Beginn des 15. Jahrhunderts angehen wollte. Zu den drei wichtigsten Punkten gehörte, erstens, die -causa unionis-. Die ersehnte Einheit der Kirche sollte wiederhergestellt und das seit mehr als 30 Jahren währende -Große Abendländische Schisma- – die Kirchenspaltung mit seit 1409 drei gleichzeitig amtierenden Päpsten – beendet werden. Zu diesem Zweck erklärte das Konzil die Päpste für abgesetzt. Zugleich wurde mit Martin V. († 1431) ein neues Kirchenoberhaupt gewählt. Zweitens widmete sich das Konzil auch der Frage der Kirchenreform, der -causa reformationis-. Die Kirche sollte reformiert und die zentralistische Amtsführung des Papstes kritisch hinterfragt werden. Zwar wurde in der Folge auf dem Konzil eine Reihe von Dekreten zur Kirchenreform und zur Stärkung des Konzils verkündet, doch war diesen kein durchschlagender Erfolg vergönnt. Schließlich erörterte man auch das dritte große Anliegen, die -causa fidei-. In diesen Zusammenhang gehört auch das Schicksal des böhmischen Reformators Jan Hus, der in Konstanz als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Neben der -großen Politik- und den kirchenpolitischen Streitthemen soll der Blick auch auf die Konzilsstadt Konstanz, die zu dieser Zeit rund 8000 Einwohner hatte, gerichtet werden. In welcher Form profitierte sie von diesem Großereignis und welche Auswirkungen hatte der enorme Besucherstrom auf das städtische Leben? Zahllose Kardinäle, Fürsten und Gelehrte strömten aus ganz Europa an den Bodensee. Zu den Hunderten Konzilsteilnehmern gesellten sich zudem bis zu 70 000 Konzilsbesucher.
Ausgehend vom Thema werden im Seminar grundlegende Probleme und Fragen der spätmittelalterlichen Geschichte behandelt.
Einführende Literatur: Hartmut Boockmann/Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform (1410-1495) (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte 8) Stuttgart 2005; Karl-Heinz Braun u.a. (Hg.): Das Konstanzer Konzil. Essays. 1414 – 1418. Weltereignis des Mittelalters, 2 Bände, Darmstadt 2013; Thomas Martin Buck/Herbert Kraume: Das Konstanzer Konzil. Kirchenpolitik – Weltgeschehen – Alltagsleben, Ostfildern 2013.
Gruppe 4: Die Italienpolitik der Ottonen
Nachdem Karl der Große 774 das Langobardenreich erobert hatte, nahm er den Titel des -Königs der Langobarden- an. Mit dieser Eroberung rückte Norditalien zunächst näher an das Reich heran. Doch nach dem Niedergang des Karolingerreichs wurden die Geschicke des regnum Italiae vom Ende des 9. bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts wiederum von lokalen Herrschern geprägt.
Erst als Otto I. (936-973) im Jahre 951 Adelheid, die Witwe König Lothars von Italien, heiratete und die langobardische Königskrone annahm, wurde Norditalien auf Dauer mit dem Reich verbunden. Mit seiner Titulatur -König der Franken und Langobarden- (rex Francorum et Langobardorum) knüpfte Otto I deutlich an die Tradition Karls des Großen an. Schließlich wurde der Anspruch auf das italienische Königreich auch durch die Kaiserkrönung Ottos I. in Rom im Jahr 962 untermauert. Mit der Kaiserkrönung wurden zugleich auch die Grundlagen für die Italienpolitik der späteren römisch-deutschen Könige gelegt. Otto I. nahm nicht nur Einfluss auf Reichsitalien, sondern auch auf die politischen Auseinandersetzungen in Rom. Otto II. (973 – 983) brach teilweise mit der Italienpolitik seines Vaters und versuchte den ottonischen Einfluss auf Süditalien auszudehnen. So versuchte er die langobardischen Fürstentümer in Capua und Benevent zu unterwerfen und zog gegen die in Unteritalien eingefallenen Sarazenen. Der Feldzug endete jedoch mit einer vernichtenden Niederlage des ottonischen Heeres in der Schlacht am Cap Colonna (982). Otto III. wiederum intensivierte die ottonische Italienpolitik, die durch die Renovatio imperii Romanorum (Erneuerung des römischen Reiches) bestimmt war.
Allerdings führte der plötzliche Tod des jungen Kaisers im Jahr 1002 zu einer solchen Schwächung des ottonischen Einflusses in Italien, so dass sich Arduin von Ivrea zum König von Italien wählen lassen konnte.
Einführende Literatur: Gerd Althoff: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (Urban-Taschenbücher 473) Stuttgart, Berlin, Köln 2000; Hagen Keller, Gerd Althoff. Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte 3) Stuttgart 2008.
Gruppe 5: Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe
Die Beschäftigung mit dem spannungsreichen Verhältnis zwischen dem staufischen König und Kaiser Friedrich Barbarossa (1152-1190) und seinem welfischen Vetter Heinrich dem Löwen, dem Herzog von Sachsen (1139-1180) und Bayern (1156-1180), gibt Gelegenheit, über viele zentrale Themen- und Problemfelder der Geschichte des mittelalterlichen römisch-deutschen Reiches zu sprechen: die Königswahl, das Verhältnis zwischen dem König und den Fürsten, die Entwicklung vom alten Stammesherzogtum zum neuen territorialen Fürstentum, die Entstehung und Abschließung des Reichsfürstenstandes, Romfahrt und Kaiserkrönung des Königs, die Italienpolitik des deutschen Herrschers, die konfliktreichen Beziehungen zwischen Kaiser und Papst, die Idee des -heiligen- Römischen Reiches, die Beziehungen des Reiches zu Byzanz, zu England, Frankreich und zum Normannenreich, die ritterlich-höfische Gesellschaft, die Kreuzzüge etc.
Einführende Literatur: Joachim Ehlers: Friedrich I., in: Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I., hg. von Bernd Schneidmüller/Stefan Weinfurter, München 2003, S. 232-257; Knut Görich: Die Staufer. Herrscher und Reich, München 2006; Ferdinand Opll: Friedrich Barbarossa, 4. Aufl. Darmstadt 2009
Geschichte
Universität Duisburg-Essen
SoSe 2014
Dr.
Czock Miriam