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Uni-München
14. März 2017

Proseminar Realismus und Fiktion

Literarische Texte besitzen gegenüber faktualen ein grundsätzlich anderes Verhältnis zur Wirklichkeit. Denn das Erfundensein ist ihr ontologischer Status, das Fiktive, Fiktionale also ihr vornehmlichstes Merkmal. Einen Wirklichkeits-/Realitätsbezug unterhalten sie aber dennoch. Sie bilden Wirklichkeit zwar nicht ab, aber sie

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Literarische Texte besitzen gegenüber faktualen ein grundsätzlich anderes Verhältnis zur Wirklichkeit. Denn das Erfundensein ist ihr ontologischer Status, das Fiktive, Fiktionale also ihr vornehmlichstes Merkmal. Einen Wirklichkeits-/Realitätsbezug unterhalten sie aber dennoch. Sie bilden Wirklichkeit zwar nicht ab, aber sie 'verwenden' sie. Sie referieren also nicht unmittelbar, aber mittelbar auf sie. Diese Schnittstelle zwischen Fiktion und Wirklichkeit nutzen literarische Texte auf unterschiedliche Weise und in einer großen Bandbreite: etwa durch die Abwandlung, Adaption von historischen Stoffen oder Figuren; durch den Entwurf poetologischer Konzepte, die die Aufnahme von Wirklichkeit/Realität ins Zentrum ihrer Ästhetik stellen (z.B. Texte des Poetischen Realismus, des Naturalismus, der Neuen Sachlichkeit; oder auch des Rap/HipHop, mit seinem Anspruch auf -realness-). Sie nützen diese sehr bewegliche Schnittstelle aber auch thematisch: z.B. zur Aufbereitung der Frage nach der grundsätzlichen Unterscheidbarbkeit von Fiktion und Wirklichkeit selbst: etwa in Erzählungen, in denen der Erzähler (die fiktive Wirklichkeit garantierende Instanz) selbst unzuverlässig ist; oder auch in solchen, in denen die Figuren unterschiedliche Wirklichkeitswahrnehmungen besitzen. Und einer Wirklichkeit/Realität scheinbar am weitesten entfernt sind solche literarischen Texte, deren Welten als 'phantastische' gestaltet sind. Das Seminar will also, ausgehend von der grundlegenden Differenz zwischen fiktionalen und faktualen Texten, die Gestaltungsbreite dieser Besonderheit, die das Verhältnis fiktionaler Texte zur Wirklichkeit kennzeichnet, untersuchen: quer durch die Literaturgeschichte und anhand von epischen und dramatischen Texten; Texte mit scheinbar hohen und scheinbar niedrigen Fiktionssignalen. Dazu wird es notwendig sein, diese konstitutive Besonderheit fiktionaler Texte zunächst zu klären und damit die Frage, was Literatur überhaupt ist. Zur Einführung besonders gut geeignet, weil voraussetzungslos, ist hierfür das Kapitel -Merkmale fiktionalen Erzählens. Faktuales und fiktionales Erzählen- aus dem Band Einführung in die Erzähltheorie von Matias Martinez und Michael Scheffel. Die zu lesenden Primärtexte werden sowohl kanonische als auch 'randständige' sein. Die Textanalyse, die genaue Beobachtung der -fiktiven Objektivität- (Martinez/Scheffel) der dargestellten Welten und der ästhetischen Mittel, mit denen sie jeweils konstruiert werden, wird im Mittelpunkt stehen. 1) Grundlegend, zur theoretischen Vorbereitung des Seminars : ** Matias Martinez, Michael Scheffel: Merkmale fiktionalen Erzählens. Faktuales und fiktionales Erzählen. In: Matias Martinez, Michael Scheffel: Einführung in die Erzähltheorie. München: C.H. Beck 9 2012, S. 11-22 [= Kapitel I.1 dieses Bandes]. ** Lutz Rühling: Fiktionalität und Poetizität. In: Heinz Ludwig Arnold, Heinrich Detering (Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft. München: dtv 1997, S. 25-51. ** Jost Schneider: Fiktionalität und Faktizität. In: Thomas Anz (Hg.): Handbuch Literaturwissenschaft. Bd. 1: Gegenstände und Grundbegriffe. Stuttgart: Metzler 2007, S. 12-14 [= Kapitel 1.3 des Beitrags Literatur und Text in diesem Band]. 2) Primärtexte : Eine Liste der zu lesenden Primärtexte wird im Laufe des Februars im Downloadverzeichnis dieser Veranstaltung stehen. Sie wird Texte z.B. des Poetischen Realismus, des Naturalismus, der Neuen Sachlichkeit, der frühen Moderne (Jahrhundertwende, Expressionismus) enthalten, aber auch darüber hinaus. Leistungsnachweis Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. B.A.-Hauptfach Germanistik (Fassung 2009/2010), alle modularisierten Lehrämter Deutsch, B.A./M.A. Berufliche Bildung und B.A. Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie): Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen) oder Klausur (90 Minuten). Die Prüfungen werden benotet. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. oder: Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. Downloads DateinameBeschreibunggültig vongültig bis Literaturhinweise(1)RealismusFiktion_ZurTheorieUndPrimärtexte.pdf Grundlegendes und Weiterführendes zur Theorie und Primärtexte. 09.03.2016 15.07.2016 OrtClausMichael_WasIstRealismus.pdf Sekundärtext zum Realismus-Begriff (zur Sitzung am 28.04.2016) 14.04.2016 15.07.2016 KästnerErich_Erzählungen(div).pdf Texte (Kästner) zur Sitzung am 30.06.2016 27.06.2016 15.07.2016 Zum Download müssen Sie angemeldet sein! Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften Grundsätzlich gilt für alle Studiengänge: Wenn es alternative Prüfungsformen gibt, dann liegt die Wahl der Prüfungsform bei dem/der Prüfenden. B.A.-Hauptfach Germanistik (Fassung 2009/2010), alle modularisierten Lehrämter Deutsch, B.A./M.A. Berufliche Bildung und B.A. Wirtschaftspädagogik und Masternebenfach Neuere deutsche Literatur (im MA Soziologie): Hausarbeit (ca. 25.000 Zeichen) oder Klausur (90 Minuten). Die Prüfungen werden benotet. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. oder: Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Wichtig: Für alle Studiengänge gilt: Rechtsverbindlich ist nur die jeweilige Prüfungs- und Studienordnung in der jeweils aktuell gültigen Fassung. LMU München SoSe 2016 Klein Uta