Uni-Kassel
14. März 2017Proseminar Tierisches Erzählen Der Fuchs als literarische Grenzfigur vom Mittelalter bis zur Neuzeit
-Du Fuchs!- – mit diesem Ausspruch wird im gegenwärtigen Sprachgebrauch eine rezeptions­ästhetisch vorgeprägte Erwartungshaltung aufgerufen, in der sich Klugheit und strategisches Geschick ebenso wie Skrupellosigkeit und Verschlagenheit als füchsische Eigenschaften verbinden. Sie verlaufen jedoch scheinbar immer an der Grenze zur...
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Jetzt Lernplan erstellen-Du Fuchs!- – mit diesem Ausspruch wird im gegenwärtigen Sprachgebrauch eine rezeptionsästhetisch vorgeprägte Erwartungshaltung aufgerufen, in der sich Klugheit und strategisches Geschick ebenso wie Skrupellosigkeit und Verschlagenheit als füchsische Eigenschaften verbinden. Sie verlaufen jedoch scheinbar immer an der Grenze zur moralischen Fragwürdigkeit und zur gesellschaftlichen Normüberschreitung. Der ‚schlaue‘ Fuchs ist somit als mehrfacher Grenzgänger markiert und gehört vor allem in den literarischen Gattungen der Fabel und Tierepik aber auch in Tierkunden bereits seit der Antike zu einem typisierten Figurenensemble, das sich durch wiederkehrende Muster und durch wertende Zuschreibungen auszeichnet. Das Seminar begibt sich somit auf eine Spurensuche der ‚Pfotenabdrücke‘ dieser Tierfigur und bringt mittelalterliche Texte mit neuzeitlichen Entwürfen ins Gespräch.
Im Zentrum steht dabei das erste mittelhochdeutsche Tierepos Reinhart Fuchs, das am Ende des 12. Jahrhunderts von Heinrich dem Glîchezâre verfasst wurde und intertextuelle Bezüge zur Heldenepik aufweist. Doch diese gattungstypologische Zuordnung wirft nicht nur die Frage auf, ob und inwieweit es sich hierbei um eine Helden-Narration handeln könnte, sondern auch die Frage, wer denn dann eigentlich der HELD dieser Tier-Narration ist: Der Fuchs jedenfalls bestimmt nicht, so zumindest die erste Reaktion, die sich aus unserer rezeptionsästhetischen Erfahrungen mit der Tierfigur aufdrängt. Das Seminar fragt somit anhand unterschiedlicher literarischer und (film)bildlicher Werke nach verschiedenen Deutungsmustern eines TIERISCHEN ERZÄHLENS rund um den Fuchs.
Primärliteratur:
Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdt. /Neuhochdt. Reclam 1986.
Sekundärliteratur:
Barke, Jörn: Neuere Literatur zum mittelhochdeutschen 'Reinhart Fuchs': eine kritische Übersicht. Göttingen, 1997.
Dietl, Cora: Violentia und protestas. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugenden und gerechte Herrschaft im 'Reinhart Fuchs'. In: Lähnemann, Henrike (Hrsg.): Dichtung und Didaxe: lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters. Berlin, 2009.
Grubmüller, Klaus: Deutsche Tierschwänke im 13. Jahrhundert. Ansätze zur Typenbildung in der Tradition des 'Reinhart Fuchs'?, in: Werk – Typ – Situation. Studien zu poetologischen Bedingungen in der älteren deutschen Literatur (Festschrift für Hugo Kuhn).Stuttgart, 1969.
Kehne, Birgit: Formen und Funktion der Anthropomorphisierung in Reineke-Fuchs-Dichtungen. Frankfurt am Main, 1992.
Kolb, Herbert: Nobel und Vrevel. Die Figur des Königs in der Reinhart-Fuchs-Epik. In: Strelka, Joseph P.; Jungmayr, Jörg (Hgg.): Virtus et Fortuna. Festschrift für Hans-Gert Roloff. Bern; Frankfurt/M.,1983.
Bemerkung
LitWiss
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
SoSe 2014
Germanistik/Deutsch
Germanistik/Deutsch
Dr.
Schul Susanne