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Uni-Kassel
14. März 2017

Ringvorlesung Fremdherrschaft und Freiheit Das Königreich Westphalen als napoleonischer quot Modellstaat quot

Napoleon war es, der um 1800 die deutsche Staatenwelt nachhaltig durcheinander wirbelte. Das ehrwürdige „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ zerfiel, die süd- und mitteldeutschen Staaten wurden unter französischem Protektorat im „Rheinbund“ zusammengefasst, Preußen wurde militärisch besiegt und auf seine östlichen...

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Napoleon war es, der um 1800 die deutsche Staatenwelt nachhaltig durcheinander wirbelte. Das ehrwürdige „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ zerfiel, die süd- und mitteldeutschen Staaten wurden unter französischem Protektorat im „Rheinbund“ zusammengefasst, Preußen wurde militärisch besiegt und auf seine östlichen Kernprovinzen reduziert, von Frankreich geschaffene und abhängige Gebilde sollten im Sinne der neuen Ordnung „moralische Eroberungen“ machen, auf das übrige Deutschland abstrahlen, die französischen Einflusssphären festigen und absichern. Der größte dieser „Modellstaaten“ war das Königreich Westphalen, zusammengewürfelt aus Hessen-Kassel, Braunschweig, den westelbischen Gebieten Preußens und Teilen Hannovers mit Kassel als Zentrum und dem Napoleonbruder Jérôme als Regent. Die Prinzipien der Französischen Revolution hielten in Hessen Einzug. Sichtbare Zeichen dafür waren Verfassung, Rechtsgleichheit für die Bürger, in deren Genuss auch die Juden kamen, und Reichsstände, eine frühe Form des ‚Parlamentarismus‘. Die darin aufschimmernden Grundsätze eines frühliberalen Rechtstaates wurden überlagert von Unter¬drückung und Ausplünderung. 1813, als sich die napoleonische Herrlichkeit dem Ende zuneigte, rührte niemand einen Finger für die ungeliebten Machthaber. Die gewährte „Freiheit“ wog geringer als die Erfahrung der „Fremdherrschaft“, die Reformbemühungen erschienen diskreditiert: Von den Ansprüchen und Realitäten, den Spannungen und Ambivalenzen, welche die westphälische Episode prägten, erzählen die Vorträge dieser Veranstaltungsreihe. 30.10.2007 - „Weltgeist zu Pferde“. Napo¬leon und die Suche nach deutschen Identitäten, JENS FLEMMING UNIVERSITÄT KASSEL) 06.11.2007 - „Deutsche Katastrophe“? Der Untergang des Alten Reichs und die napoleonische Deutschlandpolitik, WolfGANG BURGDORF(UNIVERSITÄT MÜNCHEN) 13.11.2007 - „Modellstaat“? Verfassung und Verfassungspolitik im Königreich Westphalen, HORST DIPPEL (UNIVERSITÄT KASSEL) 20.11.2007 - „Eigentümergesellschaft“? Agrarreformen und ländliche Gesellschaft, SIEGFRIED BECKER (UNIVERSITÄT MARBURG) 27.11.2007 - Parlamentarismus“? Die Reichsstände des Königreichs Westphalen, HERBERT OBENAUS (UNIVERSITÄT HANNOVER) 04.12.2007 Kontinuitäten und Diskonti¬nuitäten. Das Medizinalwesen im Königreich Westphalen, IRMTRAUT SAHMLAND (UNIVERSITÄT GIEßEN) 11.12.2007 - Wer regiert? Verwaltungsre¬form und bürokratische Eliten, GABRIELE CLEMENS (UNIVERSITÄT SAARBRÜCKEN) 15.01.2008 - Unruhe, Protest, Aufstand. Widerstand und Widersetzlichkeit gegen die Napoleonische ‚Fremdherrschaft' WINFRIED SPEITKAMP (UNIVERSITÄT GIEßEN) 22.01.2008 - König Jérôme und der Hof in Kassel, JÖRG WESTERBURG (UNIVERSITÄT KASSEL) 29.01.2008 - Scherz, Satire und tiefere Be¬deutung. Hieronymus oder Der Abschied aus Cassel, HUBERTUS FISCHER (UNIVERSITÄT HANNOVER) 05.02.2008 - Bildungs- und Schulpolitik im Königreich Westphalen, DIETFRID KRAUSE-VILMAR (UNIVERSITÄT KASSEL) FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WS 2007/2008 Geschichte Prof. Dr. Flemming Jens