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Uni-Siegen
14. März 2017

Ringvorlesung Narrative der Krise

Spätestens seit dem Börsencrash im Herbst 2008 zeichnet sich ab, dass die -Krise- zum ubiquitären Schlagwort des medialen Alltags geworden ist. Keine Nachrichtensendung, keine Tageszeitung, kein Online-Portal kann fortan mehr verzichten auf die allgegenwärtige Bedrohung der Menschheit durch das Phantom...

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Spätestens seit dem Börsencrash im Herbst 2008 zeichnet sich ab, dass die -Krise- zum ubiquitären Schlagwort des medialen Alltags geworden ist. Keine Nachrichtensendung, keine Tageszeitung, kein Online-Portal kann fortan mehr verzichten auf die allgegenwärtige Bedrohung der Menschheit durch das Phantom der Krise. Die Krise ist dabei so omnipräsent wie unheimlich und vor allem höchst ambivalent: sie bedroht, sie zerstört, sie macht Angst, sie legitimiert allerlei politische Fehlentscheidungen – sie ist aber auch Chance, weckt Hoffnungen auf den Neustart und schürt Ehrgeiz. Und vor allem: Die Krise handelt scheinbar aktiv, tritt in den Medien auf als Akteur und das nicht nur im grammatischen Sinne. Eingesetzt wird sie dabei in den unterschiedlichsten Kontexten: neben der ökonomischen sind persönliche Krisen, gesundheitliche Krisen, Beziehungskrisen, politische und kulturelle Krisen auf der Tagesordnung, was zur Frage verleitet: Ist die Krise möglicherweise längst zu einem intermettierenden, symbolisch generalisierten Kommunikationscode der Massenmedien geworden? Die Ringvorlesung möchte aus einer interdisziplinären Perspektive heraus die Narrativierung solcher Krisenerfahrungen und -situationen näher in den Blick nehmen. Denn in Zeiten epochaler Umbruchs- bzw. Krisensituationen, so die zentrale These, werden häufig Narrative entwickelt, um der subjektiven Wahrnehmung von Krise diskursiven Ausdruck zu verleihen. Oft genug werden apokalyptische bzw. eschatologische Szenarien entworfen, aber auch antike und moderne Mythen (z.B. Orpheus, Troja, Hamlet, Faust) dienen immer wieder als narratives Dispositiv von Krisen. Die Vorlesung findet statt unter Beteiligung von Lehrenden aus den Fachbereichen 1 und 3 sowie externer DozentInnen. Vorläufiger Ablaufplan: 18.10.2010 W. Hülk-Althoff / (Siegen, Romanistik): Krise - Begriff, Phänomen, Narrativ 25.10.2010 G. Schuhen(Siegen, Romanistik / AL) Ödipus, Faust und andere: Mythen als Narrative der Krise 01.11.2010 Allerheiligen 08.11.2010 N. Werber / M. Lickhardt (Siegen, Germanistik): Der Klimachoc. Krise und Normalisierung 15.11.2010 C. von Tschilschke (Siegen, Romanistik): Krisendiagnose und Projektemacherei im spanischen 18. Jahrhundert 22.11.2010 U. Fenske (Siegen, Geschichte / Gender Studies): -Few men will emerge untouched by their experience- Vom Krieg in den Frieden: Nervöse Männlichkeit 29.11.2010 S. Brandt (Siegen, Amerikanistik): Sex, Lügen und Video-Clips: Szenarien krisenhafter Männlichkeit in der Populärkultur 06.12.2010 K.-J. Koch (Siegen, Wirtschaftswissenschaft): Wahrnehmung und Folgen ökonomischer Krisen 13.12.2010 J. Link (Dortmund, Germanistik / Soziologie): Zur Funktion apokalyptischer Szenarien zu normalistischen Zwecken 20.12.2010 S. Schrader (Innsbruck, Romanistik): Kranke Literatur – Krisennarrative der italienischen Literaturgeschichtsschreibung 10.01.2011 M. Krummacher (Köln, Medizin): Krisen aus Sicht der Medizin 17.01.2011 S. Baringhorst (Siegen, Politikwissenschaft): Volksparteien in der Krise - Legitimationsprobleme der repräsentativen Demokratie 24.01.2011 O. Neumaier (Salzburg, Philosophie): Kritik der Krise 31.01.2011 E. Voigts-Virchow (Siegen, Anglistik): ‚Alte Herren und neue Frauen‘ - Genderkrisen in der phantasischen Literatur des späten 19. Jahrhunderts 07.02.2011 Klausur Schuhen, Gregor, Jun.-Prof. Dr. Universität Siegen WiSe 2010/11 Univ.-Prof. Dr. Hülk Althoff Walburga