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Uni-Siegen
14. März 2017

Wie wohnen Wohnkonzepte zwischen Historismus Bauhaus und Guter Form

Spätestens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Frage des zeitgemäßen Wohnens ein in der breiten Öffentlichkeit vieldiskutiertes Thema. Stand dabei im Umfeld von Historismus, Jugendstil und Kunstgewerbebewegung vor allem das großbürgerliche Wohnen zur Disposition, so fanden in...

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Spätestens seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war die Frage des zeitgemäßen Wohnens ein in der breiten Öffentlichkeit vieldiskutiertes Thema. Stand dabei im Umfeld von Historismus, Jugendstil und Kunstgewerbebewegung vor allem das großbürgerliche Wohnen zur Disposition, so fanden in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg neue Wohn- und Lebenskonzepte wie die Gartenstadt, der Siedlungsbau und die Einrichtung mit seriell gefertigten Reformmöbeln vielerorts Umsetzung. Insbesondere der 1907 gegründete Deutsche Werkbund bemühte sich, das Anliegen einer künstlerischen Hebung der Wohnkultur systematisch zu propagieren. Zu Beginn der Zwanziger Jahre richtete sich mit dem Bauhaus das Interesse erneut auf eine radikale Neudefinition von Bauen und Wohnen, nun jedoch im Zeichen von Rationalisierung und Versachlichung. Bedingt durch die zunehmende wirtschaftliche Zwangslage, rückte dabei mehr und mehr das Bauen für den Massenbedarf und das -Wohnen für das Existenzminimum- ins Blickfeld, das auch Gegenstand zahlreicher Musterausstellungen war. Nach dem Ende des -Dritten Reichs- war es 1949 erneut der Werkbund, der mit der Ausstellung -Wie Wohnen?- die Frage moderner Wohnkonzepte im Zeichen der -Guten Form- aktualisierte. Das Seminar wird den etappenweisen Wandel von Wohnkonzepten anhand konkreter Beispiele aus der Zeit von 1870 bis 1950 verfolgen. Dabei geht es einerseits um design- und architekturgeschichtliche Fragen zeitgemäßer Gestaltung, die im Zusammenhang mit künstlerischen Zeitströmungen sowie technologischen, städtebaulichen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Entwicklungen zu erörtern sind. Zum anderen war die Frage nach Architektur und Wohnform immer auch gekoppelt an Vorstellungen je spezifischer Lebensstilkonzepte und Menschenbilder. In welcher Weise sich daher mit Wohnreformen auch die - zuweilen utopische - Intention verband, erzieherisch zu wirken, wird zu erörtern sein. - Wolfram Hoepfner (Hrsg.): Geschichte des Wohnens, 4 Bde., Stuttgart 1996 - Wolfgang Pehnt: Deutsche Architektur seit 1900, Ludwigsburg u. München 2005 - Schön und gut. Positionen des Gestaltens seit 1850, hrsg. vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte und dem Bayerischen Kunstgewerbe-Verein e.V., München 2002 - Joachim Petsch: Eigenheim und gute Stube. Zur Geschichte des bürgerlichen Wohnens, Köln 1989 - Tanja Poppelreuter: Das neue Bauen für den neuen Menschen. Zur Wandlung und Wirkung des Menschenbildes in der Architektur des 1920er Jahre in Deutschland, Hildesheim etc. 1920 - Christopher Oestereich: -Gute Form- im Wiederaufbau. Zur Geschichte der Produktgestaltung in Westdeutschland nach 1945, Berlin 2000 - Klaus-Jürgen Sembach/Gabriele Leuthäuser/Peter Gössel: Möbeldesign des 20. Jahrhunderts, Köln etc. 2002 Kunst Universität Siegen SoSe 2014 Priv.-Doz. Dr. Zeising Andreas Priv Doz