Uni-Siegen
14. März 2017Ringvorlesung Politik und Rhetorik der Privatisierung des Öffentlichen
Die forcierte Kapitalisierung und -Vermarktlichung- des Öffentlichen ist ein Produkt der überschießenden privaten Gewinne, die viel zu üppig sprudeln, als dass sie insgesamt in die industrielle Warenproduktion reinvestiert werden könnten. Was die Finanzspekulation ernährt, das speist auch den Privatisierungswahn: der...
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Jetzt Lernplan erstellenDie forcierte Kapitalisierung und -Vermarktlichung- des Öffentlichen ist ein Produkt der überschießenden privaten Gewinne, die viel zu üppig sprudeln, als dass sie insgesamt in die industrielle Warenproduktion reinvestiert werden könnten. Was die Finanzspekulation ernährt, das speist auch den Privatisierungswahn: der Druck, ständig neue, noch nicht kapitalisierte Anlagesphären für die erwirtschafteten Profite zu erschließen. Sozialstaat und Staatssozialismus semantisch gleichzusetzen, ist eine einfache Übung, wenn einem die Sender und Zeitungen gehören. Selbst die -Betreuung- und -Vermittlung- von Hartz IV-Empfängern lässt sich so nachhaltig privatisieren, dass große Teile des Sozialetats in privatkapitalistische Taschen fließen – als Gegenleistung für eine hoch professionelle Demütigung und Entrechtung der Ärmsten. Kapitalakkumulation kann nur weitergehen, so lange es Segmente gibt, die (noch) nicht warenförmig organisiert, noch nicht in die Profitlogik eingespannt, noch nicht in Wert gesetzt sind: Kommunale Schulen, Schwimmbäder, Sozialämter, Verwaltungen – sie alle verfügen über Bereiche, die filetiert und auch profitabel privat betrieben werden können. Nach deren erfolgter Übernahme durch Private entwickelt sich -von selbst- eine Konstellation, die alle diejenigen stigmatisiert, die auf den öffentlichen Restbetrieb angewiesen sind. Wer nicht marktfähig ist, der darf auch nicht auf Nachsicht zählen, wo der Markt alles regelt.
Nun, nach beinahe 20 Jahren Privatisierungsrausch, mehren sich die Anzeichen eines beginnenden Katers. Dieser zeigt sich sogar schon darin, dass viele Gemeinden dabei sind, ihre Energieversorgungsbetriebe -zurückzukaufen- [!]. Der Protest gegen die Privatisierung und Kapitalisierung von Bildungseinrichtungen nimmt erkennbar zu. Das öffentliche Geld, das durch Privatisierung eingespart werden sollte, ist längst in privaten Taschen verschwunden. So mancher ehedem öffentliche und nunmehr privatisierte Bereich funktioniert nicht mehr, wird aber zweimal jährlich teurer für die zu -Kunden- abgestuften Bürger.
Den politischen, sozialen und kulturellen Auswirkungen der Privatisierung öffentlicher Räume soll im Rahmen der Ringvorlesung nachgegangen werden. Das vorläufige Programm der Ringvorlesung versucht dieser thematischen Vielschichtigkeit gerecht zu werden:
Dießelmann, Anna-Lena , M.A.
Universität Siegen
WiSe 2012/13
Deus, Fabian
Politikwissenschaft - Politische Systeme und vergleichende Politikwissenschaft
24 Univ.-Prof. Dr. A
Knobloch Clemens 24 A