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Uni-Kassel
14. März 2017

Ringvorlesung Ringvorlesung Das soziale Band

Wie verbinden wir uns miteinander in der Welt von heute? Über soziale Medien haben wir augenscheinlich immer mehr Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Die rechnerische Verwaltung großer Datenmengen erlaubt es, immer genauer zu bestimmen, was bei den Einzelnen...

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Wie verbinden wir uns miteinander in der Welt von heute? Über soziale Medien haben wir augenscheinlich immer mehr Möglichkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten. Die rechnerische Verwaltung großer Datenmengen erlaubt es, immer genauer zu bestimmen, was bei den Einzelnen der Fall ist.  Wir interagieren immer selbstverständlicher mit intelligenten Maschinen, die dadurch unentwegt selbst lernen, sich auf neue Situationen einzustellen. Wir spielen mit Apps, mit denen man über Bilder auf begehrenswerte Partner jeden Geschlechts in der näheren Umgebung aufmerksam wird. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach Gemeinschaft, orientiert sich aber häufig eher am situativen Erleben und wird als Event konsumiert. Zuschauersportarten wie Fußball, Eishockey oder Tennis größeren Zuspruch denn je. Stand-Up-Comedians füllen Hallen, die Popmusik entwickelt immer neue Genres mit intimen Kenntnissen von Effekten und Historien, die Pop-Präferenzen zeigen sich in enorm differenzierten Szenen mit stillen Zeichen und impliziten Verpflichtungen. Schließlich verkörpert eine globale Ikone wie Papst Franziskus die sozialmoralische Sensibilität selbst für Nicht-Christen. Wie hängt das alles zusammen?   Von Emile Durkheim, der mit Büchern über die sozialen Determinanten des Selbstmords und die Netzwerkeffekte der Arbeitsteilung im Umbruch vom 19. zum 20. Jahrhundert die Soziologie als Wissenschaft mitbegründet hat, stammt die vielstimmige Metapher des sozialen Bandes. Durkheim hatte keine Untergangslust. Für ihn war die Menschen in der modernen Gesellschaft mit Individualismus, Korporatismus und Industrialismus viel fester und zugleich viel elastischer miteinander verbunden als in den vormodernen Gesellschaften mit feudalen Abhängigkeiten, ländlichen Gemeinschaften und in sich abgeschlossenen Manufakturen.   Wir wollen mit dieser Ringvorlesung die Metapher von Durkheim für unsere gegenwärtigen Gesellschaftserfahrungen aufgreifen. Wir vergesellschaften uns offenbar auf ganz neue und ganz alte Weisen zugleich. Das soziale Band der Gegenwart geht über den nationalen Container hinaus, es bezieht die maschinellen Akteure, das Internet der Dinge und die ökologische Sphäre mit ein. Und gleichzeitig unterläuft es die nationalstaatliche Solidaritätsgemeinschaft, indem es sich an Erlebnismilieus bildet oder auf geschlossene Gruppen und umgrenzte Gemeinschaften reduziert. Ausgehend von diesen Beobachtungen fragt die Ringvorlesung nach dem aktuellen Wandel der Formen und Gestalten sozialer Bindung, den alten und neuen Weisen des sozialen Zusammenhalts und dem Zerfall und der Neugründung sozialer Ordnungen.   Programm: 08.11.2016    Heinz Bude/Jörn Lamla (Kassel): Das soziale Band der Gegenwartsgesellschaft 15.11.2016    Oliver Nachtwey (Darmstadt): Konturen der Abstiegsgesellschaft und die Folgen für die soziale Integration 22.11.2016    Ewald Frie (Tübingen): Bedrohte Ordnungen und soziale Bänder. Vergleichende Überlegungen 29.11.2016    Hartmut Rosa (Jena/Erfurt): Hören und Antworten Eine Kritik der Resonanzverhältnisse 06.12.2016    Philipp Staab (Hamburg): Das soziale Band im digitalen Kapitalismus 10.01.2017    Ulrich Dolata (Stuttgart): Schwärme, Gemeinschaften, Bewegungen: Kollektives Handeln im Internet 17.01.2017    Thomas Bedorf (Hagen): Das politische und das soziale Band 24.01.2017    Stephen Petermann (Büro AMO/OMA): Architektur und Ikonographie Europas. Zur Konstruktion europäischer Macht in Brüssel 31.01.2017    Manuela Boatcâ (Freiburg): Staatsbürgerschaft, Gemeinschaft und globale Ungleichheiten FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2016/17 Schlüsselkompetenzpool FB05 Prof. Dr. Bude Heinz