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Uni-Kassel
14. März 2017

Ringvorlesung Vom arabischen Frühling in den globalen Winter

Nachdem die Revolten in Tunesien und Ägypten den -Westen- zunächst auf dem falschen Fuß erwischt hatten, änderte sich die Zurückhaltung spätestens mit den beginnenden Unruhen in Libyen. Frankreich, Großbritannien, die USA und später die NATO eröffneten einen neuen Krieg, der...

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Nachdem die Revolten in Tunesien und Ägypten den -Westen- zunächst auf dem falschen Fuß erwischt hatten, änderte sich die Zurückhaltung spätestens mit den beginnenden Unruhen in Libyen. Frankreich, Großbritannien, die USA und später die NATO eröffneten einen neuen Krieg, der unter dem Vorwand, den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen, in Wahrheit eher auf die Beseitigung des Gaddafi-Regimes abzielte. Die Medien hier zu Lande verurteilten fast einhellig die militärische Abstinenz Deutschlands und feiern seither Libyen als wegweisendes Modell -humanitärer Interventionen-. Die Friedenswissenschaft hatte ein ambivalentes Verhältnis zum Krieg – die Friedensbewegung, obwohl strikt gegen den Krieg, blieb relativ sprach- und wirkungslos. Ein Jahr später ist allenthalben Ernüchterung eingetreten, was die in Folge des -arabischen Frühlings- eingetretenen gesellschaftspolitischen und sozialen Fortschritte betrifft. Dennoch wird dem libyschen Exempel Vorbildcharakter zugeschrieben: Militärinterventionen werden nicht – wie es das Völkerrecht verlangt – grundsätzlich in Frage gestellt, sondern als -normale- Mittel der Außen- und Menschenrechtspolitik in Erwägung gezogen. Zugleich versuchen die alten europäischen imperialen Mächte (Frankreich, Großbritannien) – allein oder mittels EU – ein koloniales Comeback in Afrika; Deutschland hegt wieder Ambitionen auf den Balkan, Südosteuropa und den Kaukasus und die USA entdecken sich wieder als pazifische Macht im Fernen Osten. Hier stoßen sie auf das selbstbewusste und kraftstrotzende China, während Russland mit aller Macht wieder eine Großmachtrolle spielen will. Der Kampf, der zwischen diesen Hauptmächten des 21. Jahrhunderts ausgefochten wird, geht um Rohstoffe, insbesondere um die immer knapper werdenden fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas sowie andere, für die moderne Industrie notwendige Metalle und Mineralien. Die Friedensvorlesung 2012 wird solche und weitere Probleme der gegenwärtigen Weltpolitik, die Interessen ihrer wichtigsten Akteure und die möglichen Gegenkräfte (attac, occupy, Friedensbewegung) aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutieren. Die ReferentInnen kommen aus der Politikwissenschaft, Soziologie, und Ökonomie und sind alle einem kritischen Gesellschaftsverständnis verpflichtet. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2012 Politik und Wirtschaft Zweitfach Kernstudium Dr. Strutynski Peter