Uni-Siegen
14. März 2017Romantische Naturkindheitsutopie und Geschlechterdifferenzierung in Jugendliteratur Novelle und Roman der Siegerländer Schiftstellerin Katharina Diez 1803-1809
Die erste Siegerländer Schriftstellerin Katharina Diez (1809-1882) hat sowohl ihrer intentionalen Kinderliteratur als auch ihren Jugenderzählungen die beiden Kindheitsauffassungen der Romantik zugrundegelegt: Die durch J.G.Herder begründeten Kinderbilder der Dichter Jean Paul und Novalis, Kindheit als -poetische Daseinsform- zu begreifen, als...
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Jetzt Lernplan erstellenDie erste Siegerländer Schriftstellerin Katharina Diez (1809-1882) hat sowohl ihrer intentionalen Kinderliteratur als auch ihren Jugenderzählungen die beiden Kindheitsauffassungen der Romantik zugrundegelegt: Die durch J.G.Herder begründeten Kinderbilder der Dichter Jean Paul und Novalis, Kindheit als -poetische Daseinsform- zu begreifen, als auch die pädagogischen Schlussfolgerungen für die Entwicklung von Individualität, wie sie von Fichte und Fröbel systematisch ausgearbeitet wurden.
Das Seminar schließt thematisch an die Erzählmotive des WiSe an, ohne sie als Bedingung vorauszusetzen. Schwerpunkt war die -poetische Daseinsform- der -Frühlings-Mährchen- von Katharina Diez.
Der von Jean Paul ausgesprochene und von Fichte in sein Erziehungsprogramm aufgenommene Entwicklungsgedanke, dass das -höhere sittliche Dasein- im Leben des Einzelnen nur durch Tätigkeit, und zwar als -schöpferischer, freier und selbstbestimmter Arbeit- hervorgerufen werden kann, wird in Jugenderzählungen wie -Sonnenkönigins Bräutigam-, -Der kleine Steinklopfer-, -Der Kindesliebe Sieg-, -Die alte Äpfelfrau,- -Alle guten Geister loben Gott den Herrn. Ein Seemärchen- herausgearbeitet. Darüber hinausgehend wird der Entwicklungsgedanke der Naturkindheitsutopie an den biografischen Erzählungen über den Werdegang des Bauernsohns Theodor MIntrop zum berühmten -Malkastenkünstler- Düsseldorfs und des Landjungen J.G.Fichte zu einem Repräsentanten des deutschen klassischen Idealismus besprochen.
Aus der Thematik des Entwicklungsgedankens, der in der Diez-Literatur auch Elemente der psychoanalytischen Denkweise C.G.Jungs aufzeigt, ergibt sich die Problematik der Geschlechterdifferenzierung. Die pädagogischen Konzepte des 19.Jh., deren Positionen im Hinblick auf das traditionelle Bild von der Frau, zu kultureller Hervorbringung unfähig zu sein, in die Novelle -Myrthe und Lorbeer- von K.Diez eingegangen sind, erscheinen darin als innere und äußere Konflikte einer Schriftstellerin zwischen Ehe und bürgerlicher Karriere. Das -literarische Frauenopfer- innerhalb der Diez-Literatur gehört somit als Kontrastprogramm zur männlichen Erfolgsbiografie in den thematischen Rahmen des Seminars hinein.
Vorausgesetzte Lektüre:
A Primärliteratur:
1.Alle genannten Jugenderzählungen. ( im Moodle ).
2.Über Fernleihe:
-Myrthe und Lorbeer- in: Elisabeth Grube /Katharina Diez: Wiesenblumen von der Sieg und Feldblumen vom Rheine.2 Tle. Schaub, Düsseldorf 1847, S.391-430.
- Theodor Mintrop. Ein Lebensbild.- In: Diez, Katharina: -Aus eigener Kraft.- Drei Erzählungen. Mit einer Vorrede von Isabella Braun. Schreiber, Esslingen: 1882, S.3-106.
-Aus der Kindheit eines berühmten Mannes (J.G.Fichte). In: Diez, Katharina: -Aus eigener Kraft.- Drei Erzählungen. Mit einer Vorrede von Isabella Braun. Schreiber, Esslingen: 1882, S.1-103.
3.-Editha-, Zwei Bände. Kgl. Geh. Ober-Hofbuchdruckerei (R.v. Decker), Berlin 1867.
Es werden im Laufe des Seminars Auszüge zur Verfügung gestellt.
B Sekundärliteratur:
Längsfeld/Fischer (Hrsg.) Elisabeth Grube und Katharina Diez. Zwei Dichterinnen und ihre Zeit. Vorländer, Siegen: 1992.
Längsfeld, Ingeborg: Utopie und Regression in der Spätromantik. Kinder- und Jugendliteratur von Katharina Diez. Shaker, Aachen: 2003.
Germanistisches Seminar
Universität Siegen
SoSe 2013
Dr.
Längsfeld Ingeborg