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14. März 2017Sakrale Herrschaft
Herrschaft verlangt nach Begründung. Während wir gewöhnlich die Regierenden als Volksvertreter begreifen, die mit der Wahl legitimiert sind,werden in Gesellschaften ohne demokratische Legitimation andere Begründungen für die Vollmacht der Regierenden notwendig. Eine möglicheLegitimationsform ist die postulierte Zustimmung des Himmels, die...
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Während wir gewöhnlich die Regierenden als Volksvertreter begreifen, die mit der Wahl legitimiert sind,werden in Gesellschaften ohne demokratische Legitimation andere Begründungen für die Vollmacht der Regierenden notwendig. Eine möglicheLegitimationsform ist die postulierte Zustimmung des Himmels, die aber eben nur gebraucht werden kann, wenn die Gesellschaft von einer gemeinsamen religiösen Grundauffassung durchdrungen ist. Das ist ein Merkmal der meisten vormodernen Gesellschaften.
Es ist durchaus ein Charakteristikum der Vormoderne, daß Herrschaft sakral begründet ist. Besonders deutlich wird das im Falle der Monarchie, dieimMittelalter als Vertretung Gottes auf Erden verstanden wird. Aber auch in vorchristlicher Zeit ist der Monarch religiös überhöht. Er handelt im Dienst der Götter und wird in manchen Gesellschaften selbst als ein Gott angesehen.
Die religiöse Überhöhung des Herrschers gibt ihm die Legitimation zur Herrschaft selbst. Weil er in großer Nähe zum Himmel steht, kann er mit der Zustimmung der ihm anvertrautenBevölkerung rechnen.
Diese Form der sakralen Herrschaft, wie wir sie sehr deutlich im Hellenismus erkennnen können, aber auch im römischen Reich, und wie sie in besonderer Weise die Könige des Alten Bundes auszeichnet, setzt voraus, daß der Himmel als Realität angesehen wird, und daß er in engem Zusammmenhang mit den irdischen Dingen gesehen steht.
Die Veranstaltunghat die Aufgabe, sakrale Herrschaft und ihren Wandel von den Kulturen der Antike bis in die Frühe Neuzeit zu verfolgen und Kriterien zu erarbeiten, mit denen Momente sakraler Herrschaft auch dort gesehen werden können, wodie Kongruenz von Himmel und Erde, die eigentlich Voraussetzung für eine entwickelte sakrale Herrschaft darstellt, nicht so offensichtlich ist.
Das wird unsauch zu der Frage nach dem Charisma führen, das wir gewohnt sind, einzelnen Personen zuzuschreiben, das aber mutmaßlich vielmehr mit denen zu verbinden ist, die eine Person als Persönlichkeit verehren. Während wir heute Charisma meistens -Nichtherrschern- zuschreiben, ist das doch eigentlich eine zentrale Kategorie der sakralen Herrschaft.
Das frühmittelalterliche Königtum. Ideelle und religiöse Grundlagen, hg. v. Franz-Reiner Erkens, Berlin New York 2005 (RGA Ergänzungsband 49)
Clauss, Manfred: Kaiser und Gott. Herrscherkult im römischen Reich, Stuttgart Leipzig 1999
Habicht, Christian: Gottmenschentum und griechische Städte, München 2/1970 (ZETEMATA 14)
Taeger, Fritz: Charisma. tudien zur geschichte des antiken Herrscherkultes, 2 Bde., 1957, 1960
Geschichte - Alte Geschichte
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SoSe 2012
Dr.
Strothmann Jürgen