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Uni-Siegen
14. März 2017

Sartres Philosophie der Freiheit

-Die Existenz geht der Essenz voraus.- Existenzphilosophie im Sinne Sartres versteht sich als eine radikale Philosophie der Freiheit: Es gibt keine vorgegebenen Normen für das, was der Mensch sein kann oder sein soll: Er ist der, zu dem er sich...

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-Die Existenz geht der Essenz voraus.- Existenzphilosophie im Sinne Sartres versteht sich als eine radikale Philosophie der Freiheit: Es gibt keine vorgegebenen Normen für das, was der Mensch sein kann oder sein soll: Er ist der, zu dem er sich durch seinen Entwurf (franz. projet) selber macht. Diese Freiheit ist jedoch mehr eine Art Verdammnis (-Wir sind zur Freiheit verdammt!- – Sartre) als ein Glück. Der Dramatiker Sartre spürt überall die tragischen Konflikte der menschlichen Existenz auf und seine atheistische Philosophie ist in diesem Sinne weit entfernt von einem fröhlichen Positivismus und sorglos-leichtfertigen Atheismus: Die radikale Freiheit einer absoluten Selbstverantwortung der Existenz (-Der Mensch macht sich selbst zum Menschen, um Gott sein zu können!- – dem Menschen wird eine gottgleiche Verantwortlichkeit für die Welt zugemutet, in der er lebt) droht im Prinzip daran zu scheitern, dass die Anderen für das Ich zur -Hölle- werden, indem sie dessen Freiheit negieren. Sartres Philosophie verbindet das anspruchsvolle Programm einer Neubegründung von Ontologie im Geiste der Phänomenologie und des Existenzialismus. In diesem Geiste führt Sartre seine ontologische Bestimmung der Existenz konkret durch in einer sprechenden Analyse exemplarischer Alltagssituationen, wie dies etwa in der berühmten Blickanalyse in -Das Sein und das Nichts- geschieht. Das Seminar wird sich schwerpunktmäßig mit ausgewählten Passagen aus -Das Sein und das Nichts- beschäftigen und darüber hinaus den Zusammenhang von Schuld und Gewissen in Sartres Drama -Die Fliegen- analysieren. Empfohlene Literatur: Bei Hanser erschien auf deutsch die umfangreiche Sartre-Biographie von Bernhard-Henri Levy. Eine sehr konzentrierte und systematische, exemplarische Einführung in die Existenzphilosophie von Kierkegaard bis Heidegger und Sartre gibt Wolfgang Janke: Existenzphilosophie (Sammlung Göschen 2020), de Gruyter 1982. Philosophie Universität Siegen WiSe 2010/11 Kaletha Holger