Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Vorlesung 8222 Ich empöre mich also sind wir 8220 Albert Camus Eine Einführung in die Existentialethik

Die Existentialethik ist aus der Existenzphilosophie erwachsen. Allen Existenzphilosophen ging es – in der Nachfolge Sören Kierkegaards – darum, den Menschen zu seiner Selbstwerdung aufzufordern, ihn aus der Uneigentlichkeit herauszurufen zur Entscheidung der vollendeten Daseinsverwirklichung. Der Mensch soll sein Leben...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Die Existentialethik ist aus der Existenzphilosophie erwachsen. Allen Existenzphilosophen ging es – in der Nachfolge Sören Kierkegaards – darum, den Menschen zu seiner Selbstwerdung aufzufordern, ihn aus der Uneigentlichkeit herauszurufen zur Entscheidung der vollendeten Daseinsverwirklichung. Der Mensch soll sein Leben selbstbestimmt gestalten – der werden, der er sein soll. Das Gegenteil dieses sittlichen Ideals, das fremdbestimmte Sein, nennt Heidegger die Seinsweise des -Man-. Existenzphilosophie will notwendigerweise ethische und soziale Wirkungen hervorbringen. Es sei beispielsweise an das politische Engagement von Jean-Paul Sartre, Karl Jaspers und Albert Camus erinnert. Im Umfeld der Existenzphilosophie versuchten auch einige Theologen existentialethische Ansätze; so Karl Rahner unter dem Einfluss der Philosophie Martin Heideggers. Allerdings reagierte das Römische Lehramt sofort äußerst negativ. Die Existentialethik wurde als -Situationsethik- diffamiert und scharf verurteilt; so mehrmals von Pius XII. und dem Sanctum Officium (vgl. AAS 44 (1952). S. 413 – 419). Zu einer Zeit, als die Fundamente des klassischen Naturrechts schon längst mehr als frag-würdig und seine Grenzen mehr als überdeutlich waren, wurde dieses vehement gegen die (theologische) Existentialethik verteidigt, obwohl letztere auch als notwendiges Komplement zur Essenz- und Wesensethik interpretiert werden konnte, insofern Existentialethik die normativ nie adäquat einholbare Einmaligkeit eines jeden Menschen betont. Die Vorlesung wird zunächst in das Anliegen, die Geschichte und die verschiedenen Ausgestaltungen des Existentialismus (agnostizistisch, atheistisch-nihilistisch, christlich) einführen, zumal sich heute nur noch sehr wenige Theologen adäquat mit dieser weltanschaulichen Richtung auseinandersetzen (von Gotthold Hasenhüttl z.B. einmal abgesehen). Sodann werden die – natürlich weit bedeutenderen und historisch wirkmächtigeren – philosophisch-existentialethischen Entwürfe Darstellung finden, wobei hier Gabriel Marcel und Albert Camus im Mittelpunkt stehen werden. Aber auch die entsprechenden Ableitungen innerhalb der Theologie (K. Rahner, B. Fraling, F. Böckle) sollen behandelt werden. Eine ausführliche Literaturliste wird in der ersten Sitzung verteilt werden. Bemerkung MPO 2006: L3/M37 (Sozialethik); L4/M37 (Sozialethik) MPO 2011: M9 (Sozialethik; L3-L4); M8 (2. Teil); M9 (L2: Aufbaumodul II, 3. Teil: Spezielle Ethik) MPO 2013: M9 (Sozialethik; L3-L4); M8 (2. Teil) FB 02 Institut für Katholische Theologie Uni Kassel WiSe 2014/15 Katholische Religion L3 Prof. Dr. Dr. Lohner Alexander