Uni-Siegen
14. März 2017Scheitern ist Werden Zur Medienguerilla von Christoph Schlingensief
-Die größte Kunst ist und bleibt es, sich vom Leben infizieren zu lassen- (Christoph Schlingensief). Christoph Schlingensief war...!? Eine Annäherung an Schlingensief über identitäre Festschreibungen dieser Art führt ins Leere. War er Aufklärer, Moralist, Künstler, Provokateur? Sind seine Arbeiten politisch?...
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Christoph Schlingensief war...!? Eine Annäherung an Schlingensief über identitäre Festschreibungen dieser Art führt ins Leere. War er Aufklärer, Moralist, Künstler, Provokateur? Sind seine Arbeiten politisch? Müssen sie im Kontext künstlerischer Avantgarden des 20. Jahrhunderts diskutiert werden? War sein ganzes Schaffen eine öffentliche Selbsttherapie? Ja! Nein! Vielleicht! Ganz egal letztlich!!
Seine Arbeiten stellten Werdensprozesse dar, die sich an ihren ästhetischen Figuren erforschen lassen. Schlingensief ging es in seinen Arbeiten nicht darum, etwas oder jemand zu werden, sondern wie jedermann - und dies auf jeweils gänzliche eigene Art. Schlingensief stellte dem Sein das Werden entgegen, stieg aus dem geordneten Sein aus und ließ sich Mitreißen vom Werden.
Werden ist ohne Ende und ein Prozess, den wir nicht abschließen, von dem wir uns aber infizieren lassen können, um beständig ein Anderer zu werden und anders zu denken, ohne jemals irgendwo anzukommen. Dieses Anders-Werden geschieht in einem Dazwischen, ist immer Mitte, ohne Anfang und Ende. Ständig bewegt und verändert sich hierbei etwas.
Mit diesem Inszenierungsprinzip hat Schlingensief gestört und verstört - immer zugleich auch sich selbst. Medienkunst als Sabotage.
Als Medienguerilla können seine Arbeiten bezeichnet werden, weil sie den Versuch der aktionsbasierten Störung bzw. Sabotage alltäglicher Medienkommunikationen und Medieninszenierungen bzw. gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse darstellten, Einspruch gegen gesellschaftliche und mediale Hegemonie erhoben.
Das Seminar spürt dieser Spur des Werdens und diesen Sabotageakte an den ästhetischen Figuren seiner Filme (u.a Die 120 Tage von Bottrop), seiner Hörspiele (u.a. Rocky Dutschke 68), seiner Theaterarbeiten (u.a. ATTA ATTA - Die Kunst ist ausgebrochen), seiner Fernseharbeiten (u.a. U3000), seiner Aktionen (u.a. Bitte liebt Österreich) und seiner Partei Chance 2000 nach.
Im Seminar wird gelesen, gesehen, gehört, diskutiert und ausschließlich auf das Material selbst fokussiert analysiert - keine Sekundarisierung von Schlingensief erwünscht. Das Seminar wird selbst erst von Sitzung zu Sitzung Seminar, eine Annäherung an Schlingensief, ein performativer Nachvollzug ihrer Werdensprozesse. Nichts steht hierbei fest, Bildungsprozesse können hier nur gemeinsam geschehen und vollzogen werden.
Die Teilnahme am Seminar erfordert daher die Bereitschaft, sich auf diesen experimentellen Kontext einzulassen, hohes Engagement einzubringen, wirkliches Interesse am Gegenstand und keine primäre Credit-Point-Fixierung, der die Gegenstände der Betrachtung und des Denkens egal sind. Eigenverantwortung als Grundvoraussetzung für (Selbst-)Bildung. Keine Referate, aber kontinuierliche Recherchen, Nachträge, Einsprüche, Ideenproduktion, Auseinandersetzung mit dem Material sind gefordert. Das kann nur scheitern!
Medienwissenschaft, Bachelor, PO 2006
Universität Siegen
SoSe 2011
Sozialwissenschaften, Medienwissenschaft, Bachelor, PO 2008
Medienwissenschaft
Dr.
Kleiner Marcus S