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Uni-Siegen
14. März 2017

Schöne neue Arbeitswelt ein Topos der Literatur des 21 Jahrhunderts

Die traditionsreiche Debatte über das Verhältnis von -Kunst und Leben- erfährt seit 1989 im Zeichen der -Globalisierung- eine markante Verschiebung: Der -Künstler- gilt in der westlichen Welt nun nicht mehr als Gegenspieler des -homo oeconomicus-, jenes Menschentyps also, der -rational-...

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Die traditionsreiche Debatte über das Verhältnis von -Kunst und Leben- erfährt seit 1989 im Zeichen der -Globalisierung- eine markante Verschiebung: Der -Künstler- gilt in der westlichen Welt nun nicht mehr als Gegenspieler des -homo oeconomicus-, jenes Menschentyps also, der -rational- auf dem Markt agiert und darum in der Regel feste und oft einförmige Lohnarbeitsverhältnisse einzugehen sucht. Im Zuge der Flexibilisierung und Dynamisierung von Lebensverhältnissen wird vom ökonomisch -vernünftigen- Menschen nunmehr erwartet, sich als -Unternehmer seiner selbst- zu profilieren: eigeninitiativ, sich in wechselnden Umständen behauptend und aus diesen Umständen -kreativ- die eigene Arbeits- wie Lebensbiographie entwickelnd. Der -Künstler- stellt mit den ihm unterstellten Eigenschaften nun nicht länger ein kritisches Gegenmodell zur Logik eines freien Marktes dar, sondern er wird zu deren Fallbeispiel. Im Seminar untersuchen wir zunächst die einflussreichsten der auf die veränderte kulturelle Konstellation reagierenden Erzählmuster: die Beschwörung eines neuen Zeitalters der Exklusion und Isolation (anhand von Auszügen aus Michel Houellebecq, -Extension du domain de la lutte- [1994] Reclam, Stuttgart 2002 / -Ausweitung der Kampfzone-, rororo, Hamburg 1999) bzw. umgekehrt der neuen Möglichkeiten gemeinsamen Arbeitens (anhand von Auszügen aus Rainald Goetz, -Dekonspiratione-, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2000). Wir betrachten auch ausschnittsartig die neueren soziologischen, kulturtheoretischen und kulturpolitischen Erzählungen von der veränderten Arbeitswelt (anhand der Positionen von z.B. Ulrich Bröckling, Paolo Virno, Holm Friebe & Sascha Lobo oder Corinne Maier). Diese konfrontieren wir dann mit literarischen Texten, die sich im Lichte dieser neu organisierten Arbeitswelt alten Problemstellungen annehmen: Vereinnahmung des Selbst durch den Markt (Kathrin Röggla, -wir schlafen nicht-, Fischer, Frankfurt a.M. 2004), Bedrohung durch Arbeitslosigkeit (Joachim Zelter, -Schule der Arbeitslosen-, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2006), die ökonomische Situation des Schriftstellers (Hanno Millesi, -Der Nachzügler-, Luftschacht, Wien 2008). Die geforderten Leistungen werden zu Beginn des Seminars bekannt gegeben. Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich. Germanistik - Neuere deutsche Literaturwissenschaft I Universität Siegen WiSe 2010/11 Priv.-Doz. Dr. Schäfer Martin Jörg Priv Doz