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Uni-München
14. März 2017

Seminar 8222 In the Name of Love 8220 8211 Martyrium und Märtyrerverehrung in der Moderne

In der Moderne haben alle christlichen Konfessionen den antiken Märtyrerbegriff wiederentdeckt und neu ausgefüllt: Denn besonders in den Diktaturen, Kriegen und Verfolgungen des 20. Jahrhunderts bezahlten immer wieder Christinnen und Christen ihre standhafte Glaubensüberzeugung mit dem Leben. Zu denken wäre...

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In der Moderne haben alle christlichen Konfessionen den antiken Märtyrerbegriff wiederentdeckt und neu ausgefüllt: Denn besonders in den Diktaturen, Kriegen und Verfolgungen des 20. Jahrhunderts bezahlten immer wieder Christinnen und Christen ihre standhafte Glaubensüberzeugung mit dem Leben. Zu denken wäre etwa an die -Baltischen Märtyrer- in der frühen Sowjetunion, an heroische Beispiele christlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, an die öffentliche Ermordung christlicher Identifikationsgestalten wie Martin Luther King oder Oscar Romero, an Todesopfer antikirchlicher Maßnahmen in den Warschauer-Pakt-Staaten und an heutige Christenverfolgungen im Nahen Osten. Die kirchliche Verehrung solcher -Blutzeugen- oder -Glaubenszeugen- zeigt allerdings, daß damit immer auch Interessen der Verehrer verbunden waren: Nicht die Toten selbst, sondern die Nachwelt verwendet den Märtyrerbegriff – mit stets unterschiedlicher Programmatik: fromme Verehrung kann dabei in kommerzielle Verkitschung oder politische Instrumentalisierung übergehen. Theologisch ist auch die Gefahr zu bedenken, daß Kirchen und Christen im Glanz ihrer Märtyrer die eigene historische Schuld auf angenehme Weise kompensieren. Solche und allerlei ähnliche Probleme sollen im Seminar differenziert behandelt werden. Hierzu muß vom antiken Vorbild und von den evangelischen Bekenntnisschriften ausgegangen werden, bevor wir uns unter ökumenischer Perspektive der Moderne zuwenden. Dabei wird Märtyrerverehrung als Teil christlicher Erinnerungskultur betrachtet: Nicht, ob man sich jeweils richtig oder falsch an Bonhoeffer oder Romero erinnerte, ist dann wichtig, sondern warum und mit welchen Interessen dies bestimmte Akteure unter bestimmten Bedingungen eben so und nicht anders taten. Darum bilden Kirchen und Gedenkstätten, Feiern und Gedenktage, Predigten und Reden unsere wichtigsten Primärquellen, nicht die klassische Biographik. Eine Auswahlbibliographie wird im Seminar bereitgestellt. Grundlegend aus evangelischer Sicht ist Björn Mensing: Martyrien und ihre Rezeptionsgeschichte im deutschen Protestantismus. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, in: Widerstehen. Wirkungsgeschichte und aktuelle Bedeutung christlicher Märtyrer (hg. v. dems. u. Heinrich Rathke). Leipzig 2002, S. 117–146. Bemerkung Arbeitsaufwand: Zwei bis drei Stunden Vorbereitungszeit pro Woche sollten zur Verfügung stehen. Zielgruppe P / M / MANF / V Downloads DateinameBeschreibunggültig vongültig bis Auswahlbibliographie Martyrium.pdf Auswahlbibliographie Zum Download müssen Sie angemeldet sein! Evangelisch-Theologische Fakultät LMU München SoSe 2016 PD Dr. Lorentzen Tim