Uni-Essen
14. März 2017Seminar Allgemeine Soziologie I Ich ist ein Anderer Moderne Subjekt und Identitätstheorien
Die Vorstellung, Sozialität und Subjektivität oder, anders gesagt, gesellschaftliche Ordnung und subjektive Freiheit seien Gegensätze, hat die Soziologie schon lange überwunden. Stattdessen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass sich Gesellschaft und Subjektivität gegenseitig bedingen: Menschliche Subjektivität gibt nur durch das...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Vorstellung, Sozialität und Subjektivität oder, anders gesagt, gesellschaftliche Ordnung und subjektive Freiheit seien Gegensätze, hat die Soziologie schon lange überwunden. Stattdessen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass sich Gesellschaft und Subjektivität gegenseitig bedingen: Menschliche Subjektivität gibt nur durch das Leben in der Gesellschaft, und komplexere Formen von Gesellschaft fußen auf der Subjektivität ihrer Mitglieder.
Konnte noch Max Weber, den -subjektiv gemeinten Sinn- zur Grundlage seiner Handlungstheorie machen, stellt sich heute die Frage, was das Subjektive der Subjektivität ist und woher es kommt. Je stärker eine Gesellschaft von Individualisierungsprozessen geprägt ist, um so stärker rücken Individualität, die Inszenierung der eigenen Person und deren Subjektivität ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Wie genau der Zusammenhang von Sozialität und Subjektivität aussieht, ist der Gegenstand einer ganzen Reihe von Forschungsbereichen: zur Sozialisation, zur Individualisierung, zur zivilisationsgeschichtlichen Genese des modernen Individuum, zur Möglichkeit personaler und soziale Identität und deren lebenslangem Wandel, zu den Schwierigkeiten des Identitätsbegriffs in dynamischen, hybriden und von Migration und Austausch geprägten Kulturen, zum Verhältnis von Individualität und Intimität und zur Kategorie des Geschlechts als wichtiger Dimension von Subjektivität.
Das Seminar behandelt ein breites Spektrum an Themen und Ansätzen aus dem Feld von Individualität, Identität und Subjektivität und bemüht sich, die soziologische Analyse mit einer Diskussion konkreter Erfahrungen zu verknüpfen
Zum Seminar wird ein Semesterapparat eingerichtet, der einen detaillierten Seminarplan und weitere Literaturhinweise enthält. Die folgenden Literaturangaben enthalten einige Einführungen und Anregungen zur vorbereitenden Lektüre.
Abels, Heinz: Identität. Über die Entstehung des Gedankens, dass der Mensch ein Individuum ist, den nicht leicht zu verwirklichenden Anspruch auf Individualität und die Tatsache, dass Identität in Zeiten der Individualisierung von der Hand in den Mund lebt, Wiesbaden 2006
Eickelpasch, Rolf / Rademacher, Claudia: Identität, Bielefeld 2004
Geulen, Dieter: Das vergesellschaftete Subjekt. Zur Grundlegung der Sozialisationstheorie, Frankfurt a. M. 1977
Geulen, Dieter: Subjektorientierte Sozialisationstheorie, Weinheim 2005
Hark, Sabine: Deviante Subjekte. Die paradoxe Politik der Identität, Opladen 1996
Hurrelmann, Klaus (Hrsg.): Handbuch Sozialisationsforschung, 7., vollst. überarb. Aufl. Weinheim/Basel 2008
Keupp, Heiner (Hrsg.): Der Mensch als soziales Wesen. Sozialpsychologisches Denken im 20. Jahrhundert, München 1995
Keupp, Keiner / Ahbe, Thomas / Gmür, Wolfgang / Höfer, Renate / Mitzscherlich, Beate, Kraus, Wolfgang / Strauss, Florian: Identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne, Reinbek b. Hbg. 1999
Leu, Hans Rudolf / Krappmann, Lothar (Hrsg.): Zwischen Autonomie und Verbundenheit. Bedingungen und Formen der Behauptung von Subjektivität, Frankfurt a. M. 1999
Reckwitz, Andreas: Subjekt, Bielefeld 2008
Rohrbacher, Elisabeth (Hrsg.): Körper und Identität. Gesellschaft auf den Leib geschrieben, Königstein/Ts. 2004
Schroer, Markus: Das Individuum der Gesellschaft. Synchrone und diachrone Theorieperspektiven, Frankfurt a. M. 2001
Sozialwissenschaften
Universität Duisburg-Essen
WS 2009/10
Soz B.A., Soziologie (Bachelor of Arts)
Sozialwissenschaften