Uni-Essen
14. März 2017Seminar Allgemeine Soziologie I Wie wird man was man ist Moderne Subjekt und Identitätstheorien
Die zentrale These moderner soziologischer Subjekt- und Identitätstheorien lautet, dass man nicht ist, was man ist, sondern dass Subjekt- und Identitätsformen Produkt sozialer Prozesse sind: Das eigene Ich entfaltet sich weder aus sich selbst heraus noch ist vor dem Sozialen...
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Jetzt Lernplan erstellenDie zentrale These moderner soziologischer Subjekt- und Identitätstheorien lautet, dass man nicht ist, was man ist, sondern dass Subjekt- und Identitätsformen Produkt sozialer Prozesse sind: Das eigene Ich entfaltet sich weder aus sich selbst heraus noch ist vor dem Sozialen da, sondern die Form seiner Subjektivität wird ihm gewissermaßen durch die soziale Sphäre ‚offeriert’. Kulturelle und soziale Prägungen von Subjektivitätsformen sind, so könnte man sagen, konkreten individuellen Identitäten vorgängig, so dass sich noch in dem, was Menschen als ihr Eigenstes und Inneres begreifen, Niederschläge jener gesellschaftlichen Formen, Diskurse und Umwelten finden, in denen sie leben. Subjektivitäts- und Identitätsformen werden aber nicht nur in sozialen Prozessen hervorgebracht, sondern müssen permanent in ihnen bestätigt bzw. ratifiziert werden.
Im Seminar werden wird uns zunächst mit soziologischen Konzepten der Identitätsbildung und der Sozialisation befassen, uns dann der Konstruktion und Aufrechterhaltung von Identität in sozialen Kontexten widmen und schließlich der Analyse von Individualisierungsprozessen zuwenden. Einen zweiten, teilweise parallel geführten Strang des Seminars wird die Auseinandersetzung mit jenen Konzepten bilden, mit denen in den Sozial- und Geisteswissenschaften über Subjektivität, Identität und Individualität nachgedacht wird. In diesem Zusammenhang werden uns besonders jene Diskurse beschäftigen, die unsere Vorstellungen von Identität entscheidend prägen bzw. geprägt haben, etwa die Debatte über postmoderne Identitäten, Flexibilisierung, gender identity oder Subjektbildung durch Triebunterdrückung.
Bitte beachten Sie, dass dieses Seminar nicht der eigenen Identitätsarbeit dienen soll; auch geht es nicht um Identitätssuche, Identitätsprobleme oder psychosoziale Identitätsberatung bzw. Selbsthilfe.
Zu dieser Veranstaltung wird ein Semesterapparat eingerichtet.
Einen ausführlichen Seminarplan und weitere Hinweise finden Sie in kürzer auf meiner Homepage: www.SvenLewandowski.de
Einführende Literatur:
Abels,H. (2010). Identität. Über die Entstehung des Gedankens, dass der Mensch ein Individuum ist, den nicht leicht zu verwirklichenden Anspruch auf Individualität und die Tatsache, dass Identität in Zeiten der Individualisierung von der Hand in den Mund lebt. 2., überarbeitet und erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS.
Eickelpasch,R./Rademacher,C. (2004/32010). Identität. Bielefeld: transcript.
Reckwitz,A. (2008/22010). Subjekt. Bielefeld: transcript.
Sozialwissenschaften
Universität Duisburg-Essen
WS 2010/11
Soz B.A., Soziologie (Bachelor of Arts)
Sozialwissenschaften