Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Antisemitische Muster in der Literatur und ihre philosophische Kritik
-Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.- schrieb Adorno in der Minima Moralia. Wenn man davon ausgeht, dass Antisemitismus ein Gerücht ist, so wird behauptet, dass er sich jeder beweisbaren Grundlage entzieht und sich nur durch Erzählung weiter verbreitet,...
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Jetzt Lernplan erstellen-Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.- schrieb Adorno in der Minima Moralia. Wenn man davon ausgeht, dass Antisemitismus ein Gerücht ist, so wird behauptet, dass er sich jeder beweisbaren Grundlage entzieht und sich nur durch Erzählung weiter verbreitet, die nicht auf Tatsachen referieren, sondern reine Fiktion sind. Eine dieser Fiktionen ist Geschichte von der jüdischen Weltverschwörung, die auf die sogenannten -Protokolle der Weisen von Zion- zurückgeführt wird. Dieser -Text ohne Original- entfaltete innerhalb eines halben Jahrhundert eine derartige Medienwirkung, dass er auch zur Rechtfertigung des Holocaust immer wieder herangezogen wurde. Wie wurde es also möglich, dass aus einer Fiktion Tatsachen abgeleitet wurden, dessen Wirklichkeit in der industriellen Massenvernichtung von Menschen durch die Nazis ihren Höhepunkt erreichte?
Das Seminar soll ausgehend von konkreten literarischen und philosophischen Texten die Strukturen des Antisemitismus in einer interdisziplinären Bandbreite erfassen. In enger Zusammenarbeit mit dem in der germanistischen Literaturwissenschaft angebotenen Seminar von Anna-Lina Dux -Mythenbildung und Inszenierungsformen in Theorie, Literatur und Film-, sollen die Studierenden die Möglichkeit bekommen die philosophischen Reflexion mit literarischen Texte zu verbinden und so die Strukturen von xenophoben Mythen und Fiktionen aufzudecken.
Das Medium des Antisemitismus war neben den mündlichen Überlieferungen vor allem der journalistische und literarische Text. In diesen sind tradierte Mythen immer wieder aufgegriffen und aktualisiert worden. Noch heute sind die Motive präsent, aber schwer zu identifizieren. Hierzu wird nicht nur Literatur betrachtet, sondern auch das Web2.0, z.B. Youtube-Botschaften oder Facebook-Seiten.
Durch einen pluralistischen Zugang von Psychoanalyse, Kritischer Theorie und dem aktuellen Mythos-Diskurs, sollen die Studieren nicht nur Einblicke in die jeweiligen Themenfelder der Philosophie bekommen, sondern auch befähigt werden, bestimmte antisemitische Topoi zu identifizieren, sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen und dies argumentativ zu festigen, so dass die berüchtigte -Antisemitismuskeule- als Gegenargument grundlegend entkräftet wird. Ausgehend hiervon können weitere Muster xenophober Strukturen erkannt und offengelegt werden.
Grundlage des Seminars sind Textauszüge aus der unten aufgelisteten Literatur, die in einem Reader zur Verfügung gestellt werden. Damit das Seminar am IfPhi auch ohne den Besuch der ergänzenden Veranstaltung am IfG funktioniert, sind einschlägige literarische Texte aufgenommen worden, auf die exemplarisch Bezug genommen werden kann. Der überwiegende Teil der Literatur widmet sich aber der Analyse antisemitischer Strukturen.
FB 02 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Lehrveranstaltungspool FB 02
Timm Julian