Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Arbeit Gesundheit Geschlecht
Macht Arbeit krank? Mit dem Strukturwandel der Arbeitswelt zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft in den 1980er Jahren wurde vielfach die Erwartung verknüpft, dass mit dem Bedeutungsverlust körperlich belastender Produktionsarbeit gesundheitsgefährdende Arbeit insgesamt auf dem Rückzug wäre. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenMacht Arbeit krank? Mit dem Strukturwandel der Arbeitswelt zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft in den 1980er Jahren wurde vielfach die Erwartung verknüpft, dass mit dem Bedeutungsverlust körperlich belastender Produktionsarbeit gesundheitsgefährdende Arbeit insgesamt auf dem Rückzug wäre. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass körperlich belastende Arbeitstätigkeiten nach wie vor zur Arbeitsrealität vieler Beschäftigten gehören (vor allem im expandierenden Dienstleistungssektor, z.B. Reinigungs- und Pflegekräfte). Außerdem zeigt sich eine neue Art der Belastungsquelle: So steigen seit einigen Jahren die psychische Beanspruchungen und damit psychische Erkrankungen wie u.a. Burn-out und Depression drastisch an, weil erhöhter Stress, Zeit- und Leistungsdruck die Arbeitswelt von heute prägen. Und auch im Privaten finden grundlegende Veränderungen statt: Durch die Zunahme weiblicher Berufstätigkeit gerät das gesellschaftliche Reproduktionsmodell unter Druck; das Erbringen von Fürsorgeleistungen für sich und andere Familienmitglieder wird prekär und kann - insbesondere bei Frauen - zu einer zusätzlichen Belastungsquelle werden. Im Gegensatz zu den in der Öffentlichkeit diskutierten eher psychologisch ausgerichteten Ansätzen, die größtenteils die Probleme allein auf der Ebene der Beschäftigten und ihrer Fähigkeiten diskutieren, soll im Seminar eine soziologische Perspektive eingenommen werden. Es wird danach gefragt, unter welchen gesellschaftlichen und betrieblichen Bedingungen (z.B. Veränderungen der Produktionsweise, Globalisierung, Arbeitslosigkeit, zunehmende Konkurrenz, Arbeitsplatzunsicherheit) die Gesundheit zu einem -gefährdeten Gut- wird. Zur Annäherung an diese Fragestellung sollen arbeits- und gesundheitssoziologische Ansätze sowie aktuelle empirische Studien diskutiert werden, die erforschen, welche Auswirkungen diese veränderten Bedingungen auf die Beschäftigten haben und wie diese von ihnen bewältigt werden, um den Erhalt von Arbeits- und Lebenskraft sicher zu stellen.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2010
Soziologie HF
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Kellermann Lisa