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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Seminar BBM 2d BM II 4 BBM 3d BM III 4 Eros 8211 Erkenntnis und Begehren bei Gottfried Wagner und Thomas Mann

Eros – Erkenntnis und Begehren bei Gottfried, Wagner und Thomas Mann Eros, die Personifikation der Liebe, hat die Geistesgeschichte des Abendlandes wie keine zweite Gottheit geprägt. Die ambivalente Macht des Begehrens wird in Platons Symposion, einem der Urtexte der Philosophie,...

Was lernst du wirklich?

Dieses Seminar taucht tief in die faszinierende Welt des Eros ein und untersucht, wie Liebe und Begehren in der Geistesgeschichte als mächtiges Erkenntnismedium dargestellt werden. Ihr analysiert zentrale Werke von Gottfried von Straßburg, Richard Wagner und Thomas Mann, um zu verstehen, wie diese Autoren die ambivalente Kraft der Liebe künstlerisch gestalten. Dabei geht es darum, wie individuelles Begehren gesellschaftliche Normen herausfordert und zu tiefgreifenden, manchmal auch zerstörerischen Einsichten führen kann.

Das wirst du lernen

  • Du verstehst die philosophische und literarische Bedeutung des Eros als Erkenntnismedium von der Antike bis zur Moderne.
  • Du kannst zentrale Liebesdarstellungen in Werken von Gottfried von Straßburg, Richard Wagner und Thomas Mann analysieren und interpretieren.
  • Du erkennst und diskutierst das Spannungsverhältnis zwischen individuellem Begehren und gesellschaftlichen Normen in literarischen Texten.
  • Du entwickelst Fähigkeiten zur kritischen Textanalyse und zur Argumentation über komplexe literarische und philosophische Konzepte.
  • Du lernst, wie literarische Motive wie die 'Minnegrotte' oder der 'Liebestod' tiefere Bedeutungen transportieren.

Passende Berufsfelder

Kulturmanagement und ÖffentlichkeitsarbeitJournalismus und Redaktion (insbesondere im Feuilleton oder Kulturbereich)Verlagswesen und LektoratLehre und Forschung (Literaturwissenschaft, Philosophie, Germanistik)Bildungsarbeit und Erwachsenenbildung

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Offizielle Kursbeschreibung

Eros – Erkenntnis und Begehren bei Gottfried, Wagner und Thomas Mann Eros, die Personifikation der Liebe, hat die Geistesgeschichte des Abendlandes wie keine zweite Gottheit geprägt. Die ambivalente Macht des Begehrens wird in Platons Symposion, einem der Urtexte der Philosophie, zum Erkenntnismedium erhoben. Als Dämon (daimon) wohnt dem Eros sowohl eine göttlich transzendente als auch tödlich vernichtende Kraft inne. Der Liebende selbst wird zum Medium, in das der daimon fährt. Kein Thema hat die Literatur mehr beschäftigt als das Wesen der Liebe. Liebes- und Minneexkurse werden in Gottfrieds von Straßburg Tristan, Richard Wagners Tristan und Isolde und Thomas Manns Der Tod in Venedig in herausragender Weise künstlerisch gestaltet. Bei Gottfried wird die normbrechende Kraft der Liebe dargestellt. Das durch den Minnetrank symbolisierte erotische Begehren der Liebenden steht im Spannungsverhältnis zum höfischen Kodex des mittelalterlichen Romans. Triuwe, êre und Ehe werden im und durch den Akt der illegitimen Verbindung Tristans und Isoldes konterkariert und zugleich neu verhandelt. Pars pro toto für die spannungsreiche Liebesdarstellung steht der Topos der Minnegrotte. In dieser stehen Heimlichkeit, Betrug und Verrat den sakralen Aspekten der Minneverbindung gegenüber. Auf der Nachtseite des weltabgewandten Lebens wird die Liebe zum Medium einer Erkenntnisform, die durch ihren Augenblickscharakter nicht von Dauer sein kann. Jene Weltabgewandtheit des Liebespaares wird in Wagners Musikdrama Tristan und Isolde absolut gesetzt. Wo in Gottfrieds Werk Rückführung und Wiedereinbindung des Liebespaares in die höfische Gesellschaft scheitern, beschließt Wagners Paar den gemeinsamen Liebestod – der Absolutheitsanspruch der Liebe schließt eine Rückkehr in die Gesellschaft kategorisch aus. In Thomas Manns Novelle Der Tod in Venedig wird wechselseitig erfüllte Liebe nicht thematisiert. Der alternde Schriftsteller Gustav von Aschenbach begehrt den schönen polnischen Knaben Tadzio. Diese pädophile Leidenschaft wird im Rekurs auf Platon idealisiert, die Erotik vergeistigt. Trotzdem endet auch Aschenbachs Begehren tödlich. Wir werden im Seminar geistesgeschichtliche Topoi des Erotischen und ihre kulturellen Ausprägungen anhand der genannten Werke thematisieren. Sie lernen, sich mit einem Motivkomplex der Geistestradition auseinanderzusetzen und ihn anthropologisch, kulturell sowie medientheoretisch zu erschließen. Zur Anschaffung empfohlen: Thomas Mann: Der Tod in Venedig. S. Fischer, Taschenbuch 6,95 Euro Richard Wagner: Tristan und Isolde. Reclam 4,00 Euro Platon: Symposion, Altgriechisch / Deutsch. Relam 5,60 Euro Gottfrieds Tristan wird in Auszügen im Semesterapparat zur Verfügung gestellt. Weiher, Frank Universität Düsseldorf SoSe 2016 Sliepen Volker