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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Liebe und Eros als Grundprinzipien der Philosophie

Eros und Liebe gelten als Grundprinzipien für das Selbstverständnis der abendländischen Philosophie, die schon in der Antike vielfach diskutiert werden. So meint Liebe beispielsweise eine kosmische Kraft, welche die widerstreitenden kosmischen Prinzipien versöhnt oder die Vorstellung eines androgynen Menschen, in...

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Eros und Liebe gelten als Grundprinzipien für das Selbstverständnis der abendländischen Philosophie, die schon in der Antike vielfach diskutiert werden. So meint Liebe beispielsweise eine kosmische Kraft, welche die widerstreitenden kosmischen Prinzipien versöhnt oder die Vorstellung eines androgynen Menschen, in dem der geeinte Kosmos Gestalt annimmt. Mit Platon (428/427 v. Chr.-348/347 v. Chr.) gewinnt der Begriff der Liebe eine wegweisende philosophische Bedeutung. So gilt der Eros als eine Grundkraft des Menschen, dank derer die Seele das geliebte Objekt als das Schöne begehrt. Dabei unterscheidet sich das erotische Streben des Philosophen freilich in grundlegender Weise von anderen Formen des Eros. Während die gewöhnliche Liebe zumeist in einem Verlangen nach körperlicher Schönheit besteht, richtet sich die philosophische Liebe auf die unsinnliche Idee des Schönen an sich, zu der der Philosoph in fortgesetzter Läuterung und Reinigung der Seele aufzusteigen sucht. Vor dem Hintergrund des platonischen Verständnisses des Eros vertieft Aurelius Augustinus (354-430) den Begriff der Liebe durch spezifisch christliche Aspekte. Die Unruhe des fragenden und begehrenden Menschen ist letztlich nichts anderes als die Suche nach Gott, so dass der wahre Philosoph letztlich auch der wahre Gottliebende ist. Marsilio Ficino (1433-1499) entwickelt ebenfalls im Rekurs auf Platon einen vielschichtigen Begriff des Eros, insofern die Liebe zum einen als das beseelende Prinzip des Weltalls und zum anderen als Antriebskraft für den Aufstieg des Menschen zu Gott fungiert. Friedreich Schleiermacher (1768-1834) wiederum sieht in der Liebe zur Menschheit die Grundvoraussetzung für Religion. Das Ziel des Seminars ist es, anhand ausgewählter Texte wesentliche Positionen des Verständnisses der Liebe nachzuvollziehen. Die Anleitung zum Lesen philosophischer Texte und die Übung der mündlichen sowie schriftlichen Darstellung bilden Schwerpunkte des Seminars. Anfänger sind willkommen. Literatur: Platon, Symposion (Das Gastmahl) in der Übers. von F. Schleiermacher, sämtliche Werke Bd. 2, hrsg. von W. F. Otto, E. Grassi, G. Plamböck, Hamburg 1972. Aurelius Augustinus, Confessiones Bekenntnisse, lat.-dt., eingel., übers. und erläutert von J. Bernhart, München 1966. Ders., Vom Gottesstaat übers. von W. Thimme, mit einer Einf. von C. Andresen, München 1977. Ficino, Marsilio, Über die Liebe oder Platons Gastmahl, lat.-dt., übers. von K. P. Hasse, hrsg. von P. R. Blum, Phil. Bibliothek Bd. 368, Hamburg 1994. Schleiermacher, Friedrich, Über die Religion, Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern, mit einer Einl. hrsg. v. A. Arndt, Phil. Bibliothek Bd. 563, Hamburg 2004. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel WiSe 2015/16 Lehrveranstaltungspool FB 02 Dr. Bönker Vallon Angelika