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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Das Abgründige in der Kunst

Kunst ist das, was sich eindeutiger Verortung entzieht und damit immer über sich hinaus weist. Sie ist dasjenige, was sich im Medium der Bildlichkeit rein rationalistischer Logik verschließt und letztlich disparat bleibt. Von der diffusen Macht der Bilder geht eine...

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Kunst ist das, was sich eindeutiger Verortung entzieht und damit immer über sich hinaus weist. Sie ist dasjenige, was sich im Medium der Bildlichkeit rein rationalistischer Logik verschließt und letztlich disparat bleibt. Von der diffusen Macht der Bilder geht eine Faszination aus - und oft auch eine Bedrohung. Unter welchen Bedingungen erscheint Kunst als Beunruhigungskategorie? Wann wird aus dem Anderen das Bedrohliche? Die Erfahrung des Abgrunds bildete bereits in den unheimlichen Dämonen-Darstellungen Hieronymus Bosch' oder in den -Triumph des Todes--Bildern Pieter Brueghels eine markante Grenzerfahrung. Neben diese theologischen Bildapokalypsen treten seit der Aufklärung vermehrt auch säkularisierte Formen existentieller Bildsprachlichkeit. Goyas albtraumartige Visionen, William Blakes naturmystische Werke, Heinrich Füsslis Nachtmahre, Caspar David Friedrichs metaphysische oder Carl Blechens abgründige Landschaften: es eignet den Künstlern der beginnenden Moderne, durch bestimmte Motive, Sujets und Kompositionen eine Atmosphäre des Unheimlichen bzw des Grauens zu generieren. Wie genau diese Stimmung erzeugt wird, ist Gegenstand genauer Werkanalysen. Lässt sich eine Ikonographie des Abgründigen bzw Unheimlichen bestimmen? Ist es das Sichtbare oder das Unsichtbare, das den metaphysischen Schauer entstehen lässt? Welcher Strategien bedienen sich Künstler des 20./21. Jahrhunderts? Am Beispiel von Alfred Kubin, Max Ernst, Hermann Nitsch, Jeff Wall und David Lynch u.a. wollen wir in ganz unterschiedlichen Kontexten den spezifischen Materialien, Techniken, Themen und Bildprogrammen auf die Spur kommen, die uns schwindelig werden lassen. Das Seminar stellt aus verschiedenen Perspektiven die Frage nach dem Abgründigen in der Kunst des 18.-21. Jahrhunderts. Sollte sich in der Kategorie des Unheimlichen ein Paradigma der Moderne erkennen lassen? Referats- bzw Moderationsthemen werden in der ersten Sitzung verteilt. Die Bereitschaft zu intensiver Textlektüre wird vorausgesetzt. Kunsthochschule Kassel Uni Kassel SoSe 2010 Kunstwissenschaft Dr. Seegers Ulli