Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Das Begehren in der Sprache II
Der Mensch ist das sprachbegabte Wesen, die Sprachkompetenz zeichnet den Menschen vor allen übrigen Lebewesen aus. Umgekehrt lassen sich aber auch alle Probleme, Konflikte und Störungen der menschlichen Sozialisation und der Geschichte intersubjektive als Störungen seines Sprachverhaltens kennzeichnen. Dabei wird...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Mensch ist das sprachbegabte Wesen, die Sprachkompetenz zeichnet den Menschen vor allen übrigen Lebewesen aus. Umgekehrt lassen sich aber auch alle Probleme, Konflikte und Störungen der menschlichen Sozialisation und der Geschichte intersubjektive als Störungen seines Sprachverhaltens kennzeichnen. Dabei wird Sprache nicht nur als Medium kognitiver Informationsvermittlung verstanden, sondern als Medium intersubjektiver Verständigung einschließlich der affektiven und körperlich-leiblichen Ausdrucksformen. Der Mensch ist der Sprache unterworfen und entwirft sich in ihr als Subjekt zugleich.
Wenn die Suche nach einer idealen Sprache, in der Sätze Sachverhalte abbilden, sich sprachtheoretisch nie einlösen ließ, sondern zu fortlaufend erweiterten Fragen an das, was mit Sprache intersubjektiv getan wird, führt, so führt diese Suche nach dem Verhältnis von Sprache und Begehren. Ihre Entstehung ist nicht zu denken, ohne den Wunsch, sich an einen anderen zu wenden, die Welt im inneren und äußeren zu begreifen. Wieweit enthält sie Spuren des Begehrens, dessen der sie hört oder dessen der spricht/schreibt? Die Spuren des Begehrens in der Sprache sind darüber hinaus an die kulturell wechselnden Lebensformen gebunden, daher ist sprachliche Verständigung immer auch Intertextualität und Interkulturalität. Dieser Zusammenhang von Sprache, Begehren und Lebenswelt gilt auch für die Leidenserfahrungen des modernen Subjekts, besondes für die Formen der Sozialpathologie in der Moderne.
In den poststrukturalistischen Diskurs hat besonders Julia Kristeva die Erweiterung der Sprache um die semiotischen paraverbalen Zeichensysteme vorgenommen, indem sie die Bedeutung der Stimme, des Klangs (Prosodie/Musikalität) in der Sprache betont und an psychoanalystischen Behandlungsverläufen dargesellt hat. Ihr wurde u.a. von Judith Butler widersprochen und ein eher konstruktivistisches Sprachkonzept entgegen gestellt. Diesen poststrukturalistischen Diskurs werden wir anhand von einschlägigen Quellentexten und klinischen Falldarstellungen nachvollziehen. Das Seminar ist zweisemestrig angelegt, neu Hinzukommende sind willkommen.
FB 01 Institut für Sozialwesen
Uni Kassel
SoSe 2016
Sozialpädagogik in Aus-,Fort- und Weiterbildung
Lehrveranstaltungspool FB 01
Prof. Dr. Dr.
Warsitz Rolf Peter