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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Das Hässliche

Hässlich. Das ist ein ständig gebrauchter, alltäglicher Begriff und was er meint scheint uns ebenso selbstverständlich wie offensichtlich. Im Gegensatz zu Schönem ist hässlich, was nicht gefällt und Unlust erzeugt. Wir hängen uns keine hässlichen Bilder auf, tragen keine hässlichen...

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Hässlich. Das ist ein ständig gebrauchter, alltäglicher Begriff und was er meint scheint uns ebenso selbstverständlich wie offensichtlich. Im Gegensatz zu Schönem ist hässlich, was nicht gefällt und Unlust erzeugt. Wir hängen uns keine hässlichen Bilder auf, tragen keine hässlichen Klamotten und lesen schon gar keine hässlichen Geschichten. Oder? Gruseln wir uns nicht gerne ein bisschen vor Zombies oder sind fasziniert von Aliens, lachen wir nicht über Mr. Hankey, tragen mit Understatement zerrissene Jeans und feiern zu verzerrten Gitarren oder monotonen Synthiebeats? Von Hässlichem werden wir nicht nur abgestoßen, vielmehr kann von ihm eine besondere Faszination ausgehen. Folglich verhält es sich komplexer – das Hässliche ist nicht einfach das, was (im Gegensatz zum Schönen) nicht vollkommen oder verkehrt ist und missfällt. Zudem wird man den gerade gegebenen Beispielen vielleicht widersprechen – das zeigt eine weitere Schwierigkeit einer allgemeingültigen Begriffsbestimmung an: Was als hässlich beurteilt wird, ist weder zu allen Zeiten noch aus allen Perspektiven gleich. Das Geschmacksurteil hässlich steht in ebenso komplexen lustökonomischen wie auch sozio-kulturellen und anderen normativen Beziehungen. Und wenn die schönen Künste in bestimmten Fällen geradezu des Hässlichen bedürfen (etwa, um erhabene oder komische Wirkungen zu erzielen), bröckelt der Gegensatz zwischen schön und hässlich und verwirrt die vermeintlich wesentliche und selbstverständliche Dichotomie. Das Seminar stellt also die Frage: Was ist das Hässliche und was ist das für eine ästhetische Kategorie? Im Versuch, darauf Antworten zu finden, wird gemeinsam dem Nachdenken über das Hässliche in ästhetiktheoretischen Texten von Lessing bis Bourdieu nachgegangen. Gleichzeitig wird die Gestaltung des Hässlichen, sein Einsatz und die Wirkungen in der Literatur und den bildenden Künsten von der Aufklärung bis zur (Post-)Moderne verfolgt. Denn über das Hässliche lässt sich nicht nachdenken, ohne sich in eine ästhetische Erfahrung zu versetzen bzw. ein konkretes Beispiel zu geben. Es soll nicht nur ein Überblick über die Figuren, Motive und Themen des Hässlichen, ihren Einsatz und ihre Transformationen geboten, sondern auch die Versuche und Schwierigkeiten der theoretisch-begrifflichen Erfassung des Hässlichen als zum Phänomen gehörig bedacht werden. Entsprechend kann die Studienleistung/AT durch Erstellung eines Hässlichkeits-Portfolios erworben werden. Das Seminar vermittelt so theoretische wie literaturgeschichtliche Einblicke und Zugänge zu ästhetischen Grundbegriffen und der Ästhetik des Hässlichen. Institut für deutsche Sprache und Literatur Technische Universität Dortmund SoSe 2013 Deutsch LPO2003 Güsken Jessica