Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Das ist doch nicht normal Sprachnorm und Medienentwicklung GS 3.2 Modulzuordnung L2 M5 L3 M8
Deutschlehrer müssen im Unterricht ein Bewusstsein für sprachliche Normen vermitteln. Dabei legen sie sich häufig auf einfache Richtig-falsch-Muster fest. Mit solchen strengen Konzeptionen im Hinterkopf fällt es nicht schwer, klare Leitlinien für richtiges und gutes Sprechen und Schreiben vorzugeben, die...
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Jetzt Lernplan erstellenDeutschlehrer müssen im Unterricht ein Bewusstsein für sprachliche Normen vermitteln. Dabei legen sie sich häufig auf einfache Richtig-falsch-Muster fest. Mit solchen strengen Konzeptionen im Hinterkopf fällt es nicht schwer, klare Leitlinien für richtiges und gutes Sprechen und Schreiben vorzugeben, die sich beispielsweise in der Dauerermahnung sprich und schreibe in ganzen Sätzen konkretisieren.
Doch wird diese eindimensionale Sicht von Norm den vielfältigen Verwendungsweisen der Sprache nicht gerecht. Schüler haben sich deshalb schon längst daran gewöhnt, dass in der Schule eine Sprachnorm eingefordert wird, die in vielen Fällen der außerschulischen Sprachverwendung bedeutungslos ist.
Somit können sich aus dem schulisch verordneten Umgang mit Sprache weder Sprachaufmerksamkeit noch Sprachbewusstheit entwickeln. Beide Stichwörter beziehen sich aber auf wesentliche Zielvorgaben für den Arbeitsbereich Reflexion über Sprache. Das Seminar will Wege zur Entwicklung eines differenzierten Verständnisses von Sprachnormen aufzeigen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf dem Zusammenhang zwischen medialem Wandel und der Verschiebung von Sprachnormen: Von den Anfängen der Verschriftlichung bis zum Online-Chat haben sich Veränderungen der Medienkonstellation auf das Normbewusstsein der Sprachgemeinschaft ausgewirkt. Dabei steht die Frage der grammatisch/orthographischen Korrektheit nicht allein im Vordergrund.
Andere Dimensionen des Normbegriffs betreffen vielfältige Aspekte, die hier in unsystematischer Reihung vorgestellt werden: Fragen der stilistischen Angemessenheit, der sprachlichen Höflichkeit und des sprachlichen Tabus, des Nähe-Distanz Verhältnisses sowie der Ausgeprägtheit von konzeptioneller Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit. Diese mehrdimensionale Begründbarkeit eines Normkonzepts bedeutet aber nicht, dass der Deutschunterricht auf die Ausbildung eines ausgeprägten Normbewusstseins verzichten könnte. Das belegt ein (authentischer) Email-Text, der nachfolgend in Auszügen wiedergegeben wird. Zunächst aber soll der kommunikative Kontext erklärt werden: Eine Dozentin hat bei einem Studenten per Mail nachgefragt, ob der Termin für einen Referatsvortrag eingehalten wird. Die Nachfrage erschien der Dozentin notwendig, weil der Student in der letzten Seminarsitzung nicht anwesend gewesen ist. Der Student antwortet mit folgender Email: Liebe Frau
wieso sollte es nicht dabei bleiben, nur weil ich mal fehle? Hääääh?? GehtZs noch, oder was? Es bleibt selbstverfreilich bei der Veraberedung. [
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Anne Betten u.a. (Hsg.): Neue Sprachmoral? Medien Politik Schule. Salzburg 2003
Willy Sanders. Sprachkritikastereien und was der Fachler dazu sagt. Darmstadt 1992
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
WS 2006/2007
Dr.
Müller Christoph