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Uni-München
14. März 2017

Seminar Der die das Fremde A1 V1

Der Fremde, so der große Soziologie Georg Simmel in seinem -Exkurs über den Fremden-, ist derjenige, der heute kommt und morgen bleibt. Als ein solcher ist er eine Figur, der Ordnungen der Zugehörigkeit, des Herkommens und der Repräsentation grundlegend in...

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Der Fremde, so der große Soziologie Georg Simmel in seinem -Exkurs über den Fremden-, ist derjenige, der heute kommt und morgen bleibt. Als ein solcher ist er eine Figur, der Ordnungen der Zugehörigkeit, des Herkommens und der Repräsentation grundlegend in Frage stellt. Der Philosoph Bernhard Waldenfels, der sich seit Jahrzehnten einer umwegigen -Topographie des Fremden- verschrieben hat, hält in diesem Sinne fest, dass es sich beim Fremden um ein ‚Phänomen’ der leibhaftigen Abwesenheit handelt, und dass die Erfahrung des Fremden stets umschlägt in ein Fremdwerden der Erfahrung. Nicht selten wird daher Fremdheit als Bedrohung wahrgenommen: sie exponiert die strukturelle Kontingenz von als vertraut wahrgenommenen Deutungsmustern und Existenzweisen; darin liegt aber zugleich ein Versprechen in der Erfahrung von Fremdheit: sie bahnt eine reflexive Infragestellung der Idiotien des Eigenen an. Wie aber zeigt sich Fremdes? Wie schreibt man Fremdes? Wie schreibt es sich ein? Welche Darstellungsformen werden dem ‚Phänomen’ des Fremden gerecht? Und gibt es eine radikale Fremdheit, die sich nicht aufheben, nicht in Vertrautes verwandeln lässt; die sich nur in ihrer Unschreibbarkeit und Undarstellbarkeit schreiben und darstellen lässt? Das Seminar möchte derartige Fragen und Problemen in der Auseinandersetzung mit einer Reihe von literarischen, philosophischen und ethnographischen Schriften erörtern. Gelesen/diskutiert werden u.a.: E.T.A. Hoffmann, Das fremde Kind; Hamsun, Mysterien; Conrad, Heart of Darkness; Camus, Der Fremde; Canetti, Die Stimmen von Marrakesch; Jabès, Ein Fremder mit einem kleinen Buch unter dem Arm. Hinzukommen philosophische Erörterungen des Fremden, die von Levinas, Derrida und Waldenfels vorgelegt wurden. Ein Seitenblick soll auch fallen auf Überlegungen zur Literatur bzw. zum Theater als ‚Agenturen’ von Verfremdungseffekten, wie sie von Bertolt Brecht und Viktor Šklovskij angestellt wurden. Zur Einführung und Orientierung: Julia Kristeva, Fremde sind wir uns selbst, aus dem Franz. von Xenia Rajewsky, Frankfurt a.M. 1990. Bernhard Waldenfels, Topographien des Fremden. Studien zur Phänomenologie des Fremden 1, Frankfurt a.M. 1997. Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen. ECTS: BA HF: 6 ECTS (Hausarbeit, benotet) SLK: 3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet), 6 ECTS (Hausarbeit, benotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. Wenn Sie eine Hausarbeit im Nebenfach SLK schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorab mit der Studiengangskoordination SLK! B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2015 Dr. Bullmann Lars