Uni-München
14. März 2017Seminar Die Geschichte der Familie im 19 und 20 Jahrhundert
Die Familie als eine zentrale Institution von Gesellschaften unterlag besonderes in den letzten beiden Jahrhunderten in Europa einem radikalen Wandel. Sie wurde zentraler Ort des alltäglichen Lebens, von Geburt, Tod, Essen, Lieben, Sexualität, Reproduktion und der Sozialisation von Kindern. Im...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Familie als eine zentrale Institution von Gesellschaften unterlag besonderes in den letzten beiden Jahrhunderten in Europa einem radikalen Wandel. Sie wurde zentraler Ort des alltäglichen Lebens, von Geburt, Tod, Essen, Lieben, Sexualität, Reproduktion und der Sozialisation von Kindern. Im ausgehenden 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand im Zuge der Industrialisierung aus der Gemeinschaft des -ganzen Hauses- zunächst das Ideal der bürgerlichen Familie, mit ihrer polaren Aufteilung zwischen den Geschlechtern und dem Rückzug ins Private. Im Laufe des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert entwickelten sich dann alternative Konzepte, die eine partnerschaftlichere Beziehung zwischen Eheleuten favorisierten. Die Reformpädagogik versuchte ab 1900 weniger hierarchische Verhältnisse zwischen den Generationen zu etablieren. Der Nationalsozialismus propagierte dann wieder die patriarchalische Familie, die aber im Rahmen seiner rassistischen Ideologie zur biologischen Verfügungsmasse wurde. Ab den 1960er Jahren brachen die alten Familienvorstellungen endgültig auf. Unter Familie versteht man nun nicht mehr nur die klassische Kernfamilie, sondern auch gleichgeschlechtliche Lebensformen und Alleinerziehende mit Kindern. Wir wollen uns in diesem Basiskurs mit den sich wandelnden und umkämpften Vorstellungen von Familie beschäftigen und ihren realen sozialen Ausprägungen nachgehen. Der Fokus wird dabei auf deutschen Beispielen liegen, aber ergänzend sollen auch andere europäische Länder in den Blick genommen werden. Anhand der Geschichte der Familie im 19. und 20. Jahrhundert werden wir eine Vielzahl verschiedener historischer Ansätze wie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Alltags-, Geschlechter- und Kulturgeschichte kennenlernen sowie uns Grundkenntnisse zentraler Entwicklungen der europäischen Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts aneignen.
Prüfungsformen im BA, mod. LA und GSP: KL+RE+HA
Achtung NEU! Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA
Anmeldungen für Studierende im Rahmen des Gemeinsamen Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Profilbereiches GSP (ausschließlich für diese, ansonsten zentrale Einschreibung): per E-Mail an th.bauer@lrz.uni-muenchen.de
Gestrich, Andreas: Geschichte der Familie im 19. und 20. Jahrhundert, München 2013 (=Enzyklopädie deutscher Geschichte, Bd. 50).
Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften
LMU München
SoSe 2016
Dr.
Dittrich Lisa Charlotte