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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Die Imagination von Gesellschaft Zu Geschichte und Bedeutung von Metaphern in der Soziologie

Metaphern und Sprachbilder sind in der Soziologie allgegenwärtig. Während deren Präsenz lange Zeit als Indikator einer unwissenschaftlichen oder -unsauberen- Sprache galt, setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass eine Sprache nicht ohne Metaphern auskommt – auch in der Wissenschaft....

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Metaphern und Sprachbilder sind in der Soziologie allgegenwärtig. Während deren Präsenz lange Zeit als Indikator einer unwissenschaftlichen oder -unsauberen- Sprache galt, setzt sich immer mehr die Überzeugung durch, dass eine Sprache nicht ohne Metaphern auskommt – auch in der Wissenschaft. Sie erfüllen eine sprachlich wichtige Funktion, da mit ihnen schwer darstellbare und oftmals ungegenständliche Phänomene (vor allem natürlich: -Gesellschaft-) plastisch vermittelt und beschrieben werden können. Vor dem Hintergrund dieser konstitutiven Bedeutung von Metaphern ist es soziologisch wichtig (und erkenntnisreich), sich mit deren Präsenz, deren Geschichte und deren Folgen und Wirkungen für die Wahrnehmung und Darstellung von Gesellschaft zu beschäftigen – es macht schließlich nicht nur soziologisch, sondern auch politisch einen Unterschied, ob Gesellschaft als -stählernes Gehäuse- (Weber), -selbstregulierendes soziales System- (Luhmann) oder -flaches, hierarchieloses Netzwerk- (Management-Diskurs) begriffen wird. Entsprechend lässt sich Soziologiegeschichte auch als Geschichte der Gesellschaftsmetaphern schreiben – eine Diskussion, die seit einigen Jahren in der Soziologie geführt wird und die im Zentrum des Seminars stehen soll. Im Seminar wird es zunächst um den Stellenwert von Metaphern in der Sprache allgemein und in der wissenschaftlichen Beschreibung von Gesellschaft gehen (u.a. in der Lektüre von Hans Blumenberg sowie George Lakoff/Mark Johnson). Daran anschließend soll es vor allem darum gehen, an paradigmatischen Beispielen aus der Soziologie die Bedeutung und Konsequenzen von spezifischen Metaphern zu diskutieren – relevant sind hier vor allem die Beschreibung von Gesellschaft als Organismus (u.a. Durkheim), System (u.a. Luhmann) oder als Netzwerk (u.a. Latour). Dabei soll vor allem danach gefragt werden, welche Bedeutung und Gründe dafür zu finden sind, dass bestimmte Metaphern durch andere abgelöst werden – denn während die klassische Soziologie um 1900 eher auf biologisch-organische Konzepte (wie des Organismus) setzte, setzt sich gegenwärtig ein Netzwerkdenken durch. Abschließend geht es um einige neuere Debatten, die sich neben soziologischen Themen vor allem auf aktuelle politische Selbstbeschreibungen beziehen und die jeweils spezifische Sprachbilder bemühen – von der Forderung nach Transparenz über die (biopolitischen) Immunitätsfiguren u.a. in der Terrorismus- und Sicherheitspolitik bis zur Vorstellung des (neoliberalen) Marktes als -spontane Ordnung- (F.A. Hayek). Neben der allgemeinen Frage nach der sprachlichen und sozialen Bedeutung von Metaphern verfolgt das Seminar damit zwei Ziele: eine Beschäftigung mit der soziologischen Konstruktion ihres Gegenstandsbereiches -Gesellschaft- (mithilfe einer kursorischen Auseinandersetzung mit Positionen der soziologischen Theorie) sowie eine Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Metaphern der Gegenwart. Es geht daher im Seminar nicht um Klassikerexegese oder eine Theorieeinführung im üblichen Sinne, sondern darum, sich mit den Selbstverständlichkeiten und Konstruktionsweisen soziologischen Denkens (und der alltäglichen Wahrnehmung von Gesellschaft) zu beschäftigen. Vorkenntnisse in der Metaphertheorie sind nicht erforderlich, dies wird gemeinsam im Seminar erschlossen. Seminarplan und Anforderungen werden in der ersten Stunde (zweite Semesterwoche) bekannt gegeben. Bei spezifischen Themeninteressen oder Wünschen können sie sich gerne vorab bei mir melden. Einführende Literatur wird über moodle zur Verfügung gestellt. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2014/15 Soziologie Dr. Gertenbach Lars