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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Die Kolonien zu Hause Inszenierung und öffentliche Erinnerung des deutschen Kolonialismus

Im Vergleich zu Großbritannien oder Frankreich war Deutschland nur kurz - zwischen der Mitte der 1880er Jahre und dem Ende des Ersten Weltkrieges - eine aktive überseeische Kolonialmacht. Lange Zeit wurde der kolonialen Vergangenheit Deutschlands kaum Bedeutung beigemessen. Jüngere Studien...

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Im Vergleich zu Großbritannien oder Frankreich war Deutschland nur kurz - zwischen der Mitte der 1880er Jahre und dem Ende des Ersten Weltkrieges - eine aktive überseeische Kolonialmacht. Lange Zeit wurde der kolonialen Vergangenheit Deutschlands kaum Bedeutung beigemessen. Jüngere Studien zeigen aber, dass koloniale Denkstrukturen und Expansionsvisionen verschiedene Bereiche der Gesellschaft auch in Deutschland geprägt haben und über die eigentliche Zeit der Kolonialherrschaft hinaus wirksam blieben. Die Veranstaltung will anhand verschiedener Beispiele untersuchen, wie die Kolonien und deren Bevölkerung in der deutschen Öffentlichkeit (re-)präsentiert und welche Bilder dabei transportiert wurden. Hier rücken Völkerschauen, Museen und Kolonialdenkmäler, aber auch populärwissenschaftliche Veröffentlichungen und Schulbücher von der Kolonialzeit bis in die 1950er Jahre in den Blick. Diese sollen sowohl in Bezug auf die vermittelten Inhalte als auch hinsichtlich der unterschiedlichen Präsentationsformen und der mit ihr verbundenen Symbolik untersucht werden. In einer zweiten Perspektive soll analysiert werden, wie mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands in der Gegenwart erinnerungskulturell umgegangen wird. Dies spiegelt sich etwa in Form von musealen, filmischen und multimedialen Darstellungen, lässt sich aber auch mittels historischer Deutungsmuster und sprachlicher Symbolik auf politischer Ebene erörtern. Dabei soll ebenfalls die Problematik erinnerungspolitischer Konkurrenzen zu anderen Gedächtnisorten thematisiert werden. Die Veranstaltung soll eine Exkursion in das Völkerkundliche Museum Witzenhausen umfassen, wo die ethnographische Sammlung der ehemaligen Kolonialschule als ein konkretes Beispiel der Präsenz der kolonialen Vergangenheit vor der eigenen Haustür näher beleuchtet werden wird. Sebastian Conrad und Shalini Randeria (Hg.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt/New York 2002. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WS 2008/2009 Geschichte NF Brahm Felix