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Uni-München
14. März 2017

Seminar Die populäre Kultur und der Staat

Auf den ersten Blick sind populäre Kultur und Popkultur durch ihren kommerziellen Charakter bestimmt, dadurch, dass sie sich auf einem Markt durchzusetzen verstehen – im Unterschied zu -ernsthafter- Kunst, die aufgrund ihres künstlerischen Wertes mit öffentlichen Mitteln und durch Mäzenat_innen...

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Auf den ersten Blick sind populäre Kultur und Popkultur durch ihren kommerziellen Charakter bestimmt, dadurch, dass sie sich auf einem Markt durchzusetzen verstehen – im Unterschied zu -ernsthafter- Kunst, die aufgrund ihres künstlerischen Wertes mit öffentlichen Mitteln und durch Mäzenat_innen subventioniert wird. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch schnell, dass solche Unterscheidungen vielfältige Zusammenhänge zwischen populärer Kultur und staatlichem Handeln verdecken. Um solche Zusammenhänge soll es in diesem zweisemestrigen Lernforschungsprojekt gehen: Um eine empirisch-kulturwissenschaftliche Perspektivierung von (pop-)kulturpolitischen Institutionen, Förderprogrammen und Regierungslogiken in der Praxis, um den Graubereich von Szenen und (staatlichen) Institutionen, von Kulturschaffen und Kulturverwaltung. Welche Ziele verbinden verschiedene Akteur_innen mit der Förderung populärer Kulturen? Welche Formen des Regierens setzen sie dabei ein und welche Dynamiken, Konflikte und Taktiken entstehen in der Praxis? Wie stellen sich diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven dar? Zunächst werden wir uns über den Gegenstandsbereich verständigen und in verschiedene relevante Literaturbestände einlesen: Geschichte, Theorie und Kritik der Kulturpolitik/Cultural Policy; Künstler- und Szenen-Studien; ethnologische Zugänge zu Institutionen und zu Staat, Staatlichkeit, Staatstätigkeit; Institutionalisierung von -Alternativkultur-. Im zweiten Schritt besprechen wir mögliche Forschungsfelder und –designs für die Fallstudien, die die Teilnehmer_innen im Sommer und im folgenden Semester selbständig durchführen. Dabei kann es zum Beispiel um Förderprogramme und ihre Kulturbegriffe gehen, um -nation-branding- durch Pop und Kultur-Export, um Projekte städtischer Institutionen und Stiftungen, um Preise und Studiengänge, aber auch um Formen von Zensur, Szenen-Diskussionen um -Staatsknete- (wie man in den 1980er-Jahren sagte) oder auch etwas so konkretes wie die Rolle von Arbeitslosengeld für verschiedene (populär-)künstlerische Bereiche. Von den Teilnehmer_innen wird die Bereitschaft zum Lesen auch einiger englischsprachiger Texte erwartet – außerdem die Lust auf eigenständige Forschung. Literaturhinweise: Martin Cloonan (Hg.), Popular Culture and the State in the UK. Culture, Trade or Industry? Aldershot: Ashgate 2007; Michi Knecht (Hg.), Plausible Vielfalt. Wie der Karneval der Kulturen denkt, lenkt und Kultur schafft, Berlin: Panama, 2005; Hessische Blätter für Volkskunde 47/2011 (Sonderheft -Kultur und Politik. Aspekte kulturwissenschaftlicher und kulturpolitischer Spannungsfelder-); David Hesmondhalgh/Andy C. Pratt, Cultural industries and cultural policy, in: International journal of cultural policy 11.1 (2005), S. 1-14; Christoph Jacke/Roger Behrens, Das Trostlose der Popkultur? (2014), http://popkongress.de/wp-content/uploads/2013/06/CJRB-Das-Trostlose.pdf. Anmeldung Um eine Voranmeldung per mail wird gebeten. Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde LMU München SoSe 2015 Dr. Ege Moritz