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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Einheit oder Sein Die Frage nach dem ersten Prinzip der Philosophie

Seit drei Jahren schon habe ich mich mit den Aristotelikern beschäftigt. (...) Jetzt möchte ich Platon mit Aristoteles vergleichen, schreibt der Renaissancephilosoph Giovanni Pico della Mirandola. Was zunächst wie ein privates Studienvorhaben klingt, bezieht sich tatsächlich auf ein Fundamentalproblem der...

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Seit drei Jahren schon habe ich mich mit den Aristotelikern beschäftigt. (...) Jetzt möchte ich Platon mit Aristoteles vergleichen, schreibt der Renaissancephilosoph Giovanni Pico della Mirandola. Was zunächst wie ein privates Studienvorhaben klingt, bezieht sich tatsächlich auf ein Fundamentalproblem der abendländischen Philosophie. So wirft Platon (428/427-348/347) in seinem Dialog Parmenides die Frage auf, was unter dem Einen schlechthin verstanden werden soll. Kann man dem Einen auch das Sein zusprechen, oder ist damit schon eine Vielheit gegeben, die dem Begriff Eines widerspricht? In der Folgezeit gewinnt das Problem an Brisanz, insofern die ursprünglich nur als dialektische Übung gedachte Frage auf das Wesen der Metaphysik bezogen wird. Während Aristoteles (384-322) die Aufgabe der Metaphysik darin sieht, das Seiende als Seiendes zu untersuchen und das erste Prinzip als absolute Wirklichkeit auffasst, versteht der Neuplatoniker Plotin (ca. 205-270) das erste Prinzip im Rekurs auf Platon als Einheit, die jenseits des Seins anzusetzen ist. In der Folgezeit wird sowohl der aristotelische als auch der (neu)platonische Ansatz vielfach rezipiert, ohne dass die unterschiedlichen Strömungen zum Ausgleich gebracht werden. Paradigmatisch zeichnet sich dies zu Beginn der Neuzeit im Denken des Nicolaus Cusanus (1401- 1464) ab, der vor allem bei der Begründung des Gottesbegriffs auf beide Konzeption zurückgreift und diese in unterschiedlicher Gewichtung verarbeitet. Pico della Mirandola (1463-1494) schließlich versuch explizit, die unterschiedlichen Strömungen zu versöhnen und einen neuen Weg in der Bewertung der (neu)platonischen und aristotelischen Tradition einzuschlagen. Das Seminar versucht, die unterschiedlichen Positionen in der Ausrichtung der Metaphysik einsichtig zu machen. Das Verständnis grundlegender philosophischer Begriffe, die Prinzipien philosophischer Interpretation sowie die mündliche und schriftliche Darstellung sollen in eigenen Lernschritten vermittelt werden. Literatur: Platon, Parmenides,.griechisch-dt., übers. und hg. V. E. MartensStuttgart 1987. Aristoteles' Metaphysik, griech.-dt, Neubearb. der Übersetzung von H. Bonitz, hg. von H. Seidl, 2 Bde., Hamburg 1989 und 1991. Plotin, Die drei ursprünglichen Wesenheiten (Schrift V, 1), in: Seele Geist Eines, griech.-dt., hg. von K. Kremer, Hamburg 1990. Nikolaus von Kues, Die belehrte Unwissenheit, Buch I, lat.-dt., hg. von P. Wilpert, Hamburg 1979. Ders., Mutmaßungen, lat.-dt., hg. von J. Koch und W. Happ, Hamburg 1971. Giovanni Pico della Mirandola, Über das Seiende und das Eine, lat.-dt., hg. von P. R. Blum u.a. Hamburg 2006. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel WiSe 2015/16 Lehrveranstaltungspool FB 02 Dr. Bönker Vallon Angelika