Uni-München
14. März 2017Seminar ENTFÄLLT Ethnologie und Kybernetik
Eine Kernqualität heutiger Ethnologie wird unter dem Begriff -Selbstreflexion- zusammengefasst. Das bedeutet nicht nur das kritische Nachsinnen über forscherisches Tun im Feld, sondern auch über das eigene Denken. So wie es keine Ethnologie ohne Geschichte geben kann, ist auch das...
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Jetzt Lernplan erstellenEine Kernqualität heutiger Ethnologie wird unter dem Begriff -Selbstreflexion- zusammengefasst. Das bedeutet nicht nur das kritische Nachsinnen über forscherisches Tun im Feld, sondern auch über das eigene Denken. So wie es keine Ethnologie ohne Geschichte geben kann, ist auch das Verstehen der Theoriegeschichte bis in die Gegenwart unabdingbar. Obgleich heute wenig bekannt, hat das unter dem Namen -Kybernetik- bekannt gewordene, transdisziplinäre Amalgam aus System-, Netzwerk-, Automaten- und Spieltheorie wesentlichen Einfluss auf die ethnologische Theoriebildung genommen. Die Kybernetik wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg als eine Art -akademischer Überdisziplin- aus der Taufe gehoben, auf die nicht nur allenthalben größte Hoffnung gesetzt wurde, sondern die auch ungeheuren Einfluss auf eine ganze Reihe wissenschaftlicher Fächer (von z.B. Informatik über Soziologie und Ökonomie bis hin zur Biologie) sowie auf außeruniversitäre Bereiche entfaltet hat. Trotzdem wurde die Rolle der Kybernetik in der Wissenschaftsgeschichte bis vor ein paar Jahren stark vernachlässigt – und in der Ethnologie bis heute praktisch überhaupt nicht reflektiert, obwohl so prominente Ethnologen wie Margaret Mead und Gregory Bateson dieses -mathematisierende Denken in Systemen- mit aus der Taufe gehoben haben, und sich dessen formende Spur über z.B. Roy Rappaport, Michel Foucault, und Clifford Geertz bis hin zur gegenwärtig für die Ethnologie so interessant gewordenen Akteur-Netzwerktheorie (ANT) klar verfolgen lässt. Im Seminar werden zunächst mittels einführender Texte Grundlagen der Kybernetik und ihrer historischen Zusammenhänge gelegt, um dann anhand von Texten ethnologischer Autoren ihren Einfluss auf ethnologisches Denken und Theorie offenzulegen.
B.A.: Hausarbeit, 6 ECTS, benotet
M.A. Themenfelder: Hausarbeit oder Übungsaufgaben, 6 ECTS, benotet
M.A. Profilveranstaltung: Hausarbeit oder Übungsaufgaben oder Thesenpapier, 6 ECTS, unbenotet
LMU München
SoSe 2015
Fakultät für Kulturwissenschaften