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Uni-München
14. März 2017

Seminar ENTFÄLLT Macht und Widerstand im andinen Raum Drexler

Das Seminar betrachtet das Themenfeld Macht und Widerstand im andinen Raum aus ethnologischer Perspektive. Indigene Widerstandsbewegungen beginnen in den Anden bereits im frühen Zeitalter der Conquista: erinnert sei an die Revolten des Manco Inka, die Taqui-Ongoy-Bewegung, Tupac Amaru und Julián...

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Das Seminar betrachtet das Themenfeld Macht und Widerstand im andinen Raum aus ethnologischer Perspektive. Indigene Widerstandsbewegungen beginnen in den Anden bereits im frühen Zeitalter der Conquista: erinnert sei an die Revolten des Manco Inka, die Taqui-Ongoy-Bewegung, Tupac Amaru und Julián Apasa, die sich auch auf mythische Paradigmen (wie Inkarrí) und andine Zeitvorstellungen beriefen und messianische Hoffnungen schürten. Indigener Widerstand kennt jedoch nicht nur die offene militärische Auseinandersetzung in Form indianischer Guerrillaorganisationen (wie das -Comando Quintín Lame- der Nasa Kolumbiens in den 1980er Jahren): Wenn Aktivisten des CRIC (lokaler Indianerrat des kolumbianischen Cauca) vom -Säen von Macht- sprechen, so bezeichnet die indianistische Kampfformel nicht nur aktiven Widerstand vermittels von Landkämpfen, sondern auch Bereiche wie autonome indigene Erziehung, indigene Universitäten und Wissensformen, wirtschaftliche Autarkie, territoriale Autonomie, indigene Gesetzgebung, Aufwertung (Revitalisierung) traditioneller Medizin und schamanischer Rituale. Ihren -Widerstandstraditionalismus- (Balandier) – mit Bourdieu strategische (Re-)Konstruktion eines -eigenen- kulturellen Kapitals – verstehen sie dabei bewusst als Form -millenarischen-, friedlichen (kulturellen) Widerstands, um Macht bzw. Gegen-Macht zur hegemonialen Staatsmacht, dem modernen Weltsystem, der Kultur der -Weißen- zu konstruieren. Die Lehrveranstaltung bietet einen Überblick über die verschiedenen Formen, Strategien und Zielsetzungen indigenen Widerstands in Lateinamerika. Ferner sollen theoretische Macht- und Widerstandskonzepte (von frühen ethnosoziologischen Ansätzen Mühlmanns und Lanternaris bis hin zum Hegemonie-Konzept Gramscis, machtanalytischen Überlegungen Foucaults oder den -everyday forms of resistance- und -hidden transcripts- Scott‘s) am Paradigma indigenen Widerstands diskutiert werden. Im Gegensatz zu globalistischen Ansätzen der gegenwärtigen Ethnologie wird der konkrete Ort (Territorialität; vgl. die Überlegungen Arturo Escobar’s und Arif Dirlik’s zur -politics of place-) einen Fokus der Betrachtung bilden, wobei wir versuchen werden, die lokalen, kulturellen und spirituellen Grundlagen indigenen Widerstands herauszuarbeiten. Die Teilnahme erfordert rege Mitarbeit und intensive Lektüre. • Drexler, Josef 2010: -Das Säen von Macht-: Kosmovision zwischen politischer Ökologie und Lebenspraxis, Zeitschrift für Ethnologie 135, 23 – 38. • Fals Borda, Orlando 2000: Peoples’ SpaceTimes in global processes, The response of the local, Journal of World-Systems Research, VI, 3, Festschrift for Immanuel Wallerstein – Part II, 624 – 634. Electronic Document.> • Taussig, Michael 1980: The Devil and Commodity Fetishism in South America, Chapel Hill: University of North Carolina Press. • Zibechi, Raul 2008: Bolivien: Die Zersplitterung der Macht, Hamburg: Edition Nautilus. Leistungsnachweis B.A. Ethnologie: 6 ECTS, Hausarbeit, benotet M.A. Ethnologie: Themenfelder: 9 ECTS, Hausarbeit (lang), benotet Profilveranstaltung: 6 ECTS, Übungsaufgaben oder Hausarbeit oder Thesenpapier, unbenotet B.A. Ethnologie: 6 ECTS, Hausarbeit, benotet M.A. Ethnologie: Themenfelder: 9 ECTS, Hausarbeit (lang), benotet Profilveranstaltung: 6 ECTS, Übungsaufgaben oder Hausarbeit oder Thesenpapier, unbenotet LMU München WiSe 1415 Fakultät für Kulturwissenschaften