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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Ethnographien in der Stadt

Verglichen mit anderen Formen empirischer Sozialforschung ist die Ethnographie durch einen Erkenntnisstil gekennzeichnet, der in einer naiv anmutenden Weise auf das Entdecken zielt. Die Ethnographie ist eine ausgeprägt weltzugewandte Form der Erkenntnis. Charakteristisch ist ihr „weicher“ Methoden-, aber „harter“ Empiriebegriff,...

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Verglichen mit anderen Formen empirischer Sozialforschung ist die Ethnographie durch einen Erkenntnisstil gekennzeichnet, der in einer naiv anmutenden Weise auf das Entdecken zielt. Die Ethnographie ist eine ausgeprägt weltzugewandte Form der Erkenntnis. Charakteristisch ist ihr „weicher“ Methoden-, aber „harter“ Empiriebegriff, die Annahme der Unbekanntheit gerade auch jener Welten, die wir selbst bewohnen. Mit Hilfe dieser Heuristik des Unbekannten richtet der/die Ethnograph/in einen be- bzw. verfremdenden Blick auf alltägliche Phänomene und folgt den auf diese Weise sichtbar werdenden Spuren des Sozialen. Die zentralen methodischen Operationen bestehen in der genauen Beobachtung und der daraus – über verschiedene Phasen der Verschriftlichung – gewonnenen Beschreibung (erst als Beschreibung wird eine Beobachtung zum soziologischen Datum). Schon früh gehörte die Ethnographie zum methodischen Repertoire der Stadtforschung. Während die „urban ethnography“ im angelsächsischen Raum seit der Chicagoer Schule einen ausgesprochen hohen Stellenwert genießt, gewinnt sie in der deutschsprachigen Stadtforschung erst in der jüngeren Vergangenheit wieder stärker an Bedeutung. Die Veranstaltung verfolgt das Ziel, das Potential der Ethnographie als Methode der Stadtforschung sicht- und erfahrbar zu machen. Dazu werden zum einen entsprechende methodische Texte und ausgewählte ethnographische Studien gelesen. Zum anderen dient die Veranstaltung der Einführung in die praktische Anwendung der Methode. Die Teilnehmer/innen sollen deshalb in mehrmaligen Mini-Feldforschungen (zu Gebäuden, Plätzen, Straßen, Tourismus, Busfahren u.a. Themen) eigene ethnographische Beobachtungen in der Stadt durchführen und Feldforschungsprotokolle erstellen. Begleitend zum Feldforschungsprozess werden die gesammelten Beobachtungen, ihre Vertextungen und Auswertungen in der Veranstaltung methodisch und methodologisch reflektiert. Amann, Klaus und Stefan Hirschauer (1997): Die Befremdung der eigenen Kultur. Ein Pro-gramm, in: dies. (Hg.): Die Befremdung der eigenen Kultur. Zur ethnographischen Her-ausforderung soziologischer Empirie, Frankfurt am Main, S. 7-52 Lindner, Rolf (2004): Walks on the Wild Side. Eine Geschichte der Stadtforschung, Frankfurt am Main/New York BemerkungMax. 25 Teilnehmer/innen. Anmeldung bitte im Sekretariat bei Frau Födisch: Tel.: 0561 / 804-3145, foedisch@uni-kassel.de FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SS2006 Wirtschafts- und Sozialgeographie Dr. Pott Andreas