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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Geschichte der Internationalen Beziehungen

Nach dem Zerfall des Ostblocks Ende der 1980er Jahre und der neuen Entwicklungsdynamik eines globalisierten Kapitalismus (Globalisierung) gewannen Begriffe wie Global Governance, Empire, Weltinnenpolitik oder globale Mehrebenenregierung in der Analyse der Weltordnung an Bedeutung. Die dominante Rolle des Nationalstaates in...

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Nach dem Zerfall des Ostblocks Ende der 1980er Jahre und der neuen Entwicklungsdynamik eines globalisierten Kapitalismus (Globalisierung) gewannen Begriffe wie Global Governance, Empire, Weltinnenpolitik oder globale Mehrebenenregierung in der Analyse der Weltordnung an Bedeutung. Die dominante Rolle des Nationalstaates in der Weltpolitik wurde damit relativiert; die Relevanz der (Teil-) Disziplin Internationale Beziehungen (IB) als die Wissenschaft von den Beziehungen zwischen Nationalstaaten infrage gestellt. Doch mit Blick auf aktuelle Ereignisse wie den Ukraine-Konflikt und die damit verbundene -Krim-Krise- wird momentan oft die Frage von Krieg und Frieden aufgeworfen - das konstitutive Problem der IB. Darüber hinaus geht es in dieser Auseinandersetzung auch um die Definition von und den Streit um -nationalstaatliche Souveränität-, -territoriale Integrität- und -Völkerrecht-, während an -Außenpolitik- und -Diplomatie- z.T. große Erwartungen gestellt werden. Diese Institutionen sind wiederum untrennbar mit dem klassischen Untersuchungsgegenstand der IB verbunden - dem System formal gleicher, politisch souveräner und territorial einheitlicher Nationalstaaten. Ist die Weltordnung also doch keinem so grundlegenden Wandel unterworfen, wie es die Debatte um Weltinnenpolitik oder globale Mehrebenenregierung nahelegen? Bestimmen nach wie vor Nationalstaaten (in letzter Instanz) das weltpolitische Geschehen? Können wir die Auseinandersetzung mit inter-nationalen Beziehungen für das Verständnis der Weltpolitik - und damit die IB - doch noch nicht zu den Akten legen? Das hier zum Vorschein kommende Problem der Bestimmung von Kontinuität und Wandel der Weltordnung bildet den Ausgangspunkt für das Seminar, in dem wir die Positionen im -historical turn- der IB erarbeiten und diskutieren wollen. Dieser Begriff wird von IB-VertreterInnen verwendet, die sich mit den Vorläufern und der Entstehung des modernen -internationalen Staatensystems- beschäftigen. Da dieses System nach verbreiteter Auffassung im westfälischen Frieden von 1648 angelegt ist, der den 30-jährigen Krieg beendete, werden die Formen moderner internationaler Beziehungen auch oft als -Westfälisches Staatensystem- bezeichnet, das die Existenz von und die Beziehungen zwischen Reichen abgelöst hat. Doch worin unterscheidet sich dieses moderne Staatensystem eigentlich genau von seinen Vorläufern? Was brachte (und bringt) die mit ihm verbundenen politischen Formen (nationalstaatliche Souveränität, Völkerrecht, Außenpolitik,...) hervor? Wie konnte sich das internationale Staatensystem zum wesentlichen Strukturmerkmal der Weltpolitik entwickeln? Nur über die Auseinandersetzung mit diesen Fragen lässt sich – so die das Seminar anleitende Hypothese – letztlich die gegenwärtige Bedeutung internationaler Beziehungen als politische Praxis sowie der IB als ihrer Wissenschaft sinnvoll bestimmen. Online-Reader Zur Einführung: Kleinschmidt, Harald (1998): Geschichte der internationalen Beziehungen, Reclam (Stuttgart). Voraussetzungen - Besuch der Vorlesung(en) zur Einführung in die IB bzw. Grundkenntnisse zu Theorien der IB - Bereitschaft zur regelmäßigen Textlektüre, insbesondere auch von englischsprachigen Texten (IB ist nun einmal eine anglo-amerikanisch geprägte [Teil-] Disziplin). Leistungsnachweis Hausarbeit Lerninhalte 1. Einführung in das Seminar 2. Rekurs: Kant und Waltz über das moderne (westfälische) Staatensystem - oder, was war noch einmal Problem und Gegenstand der Internationalen Beziehungen? 3. Das Staatensystem als kontinuierliche Anarchie: Historischer Realismus 4. Der (Ein-) Bruch der Moderne in den internationalen Beziehungen: Historischer Konstruktivismus 5. Von feudaler Anarchie zum kapitalistischen Staatensystem: Historischer Materialismus 6. Jenseits international-staatlicher Beziehungen? Historische -Außenbeziehungsweisen- 7. Abschlusskolloqium: Zurück in die Zukunft der internationalen Beziehungen [Entwurf: Das Seminarprogramm kann von diesem Seminarplan noch abweichen] FB 05 Gesellschaftswissenschaften - Besuch der Vorlesung(en) zur Einführung in die IB bzw. Grundkenntnisse zu Theorien der IB - Bereitschaft zur regelmäßigen Textlektüre, insbesondere auch von englischsprachigen Texten (IB ist nun einmal eine anglo-amerikanisch geprägte [Teil-] Disziplin). Hausarbeit Uni Kassel SoSe 2014 Politik und Wirtschaft Politikwissenschaften HF Möllmann Christian